Altpapierverbrauch in deutschen Papierfabriken im ersten Halbjahr um acht Prozent gestiegen

In Deutschland wurde im ersten Halbjahr deutlich mehr Altpapier verbraucht. Im Vergleich zu den ersten sechs Monaten des letzten Jahres setzten deutsche Fabriken laut Branchenverband „Die Papierindustrie“ insgesamt fast 8,3 Mio Tonnen Altpapier ein. Das entspricht einer Steigerung um mehr als acht Prozent. Im letzten Jahr war der Altpapierverbrauch in Deutschland um neun Prozent gesunken.

Die Gesamtproduktionsmenge von Papier, Pappe und Karton ist in den ersten sechs Monaten dieses Jahres um knapp sieben Prozent gestiegen. Von einer Erholung sei die Branche aber noch weit entfernt, da die Produktion im letzten Jahr um fast 14 Prozent auf den niedrigsten Stand der letzten 20 Jahre gesunken war, konstatiert der Verband in seiner Halbjahresbilanz.

Die abgesetzte Menge stieg im Vorjahresvergleich um fünf Prozent an. Hier gab es aber unterschiedliche Entwicklungen bei den Hauptpapiersorten. Während der Absatz bei den Verpackungspapieren und -karton um acht Prozent und bei Papieren für technische und spezielle Anwendungszwecke um drei Prozent anstieg, ging die Absatzmenge bei grafischen Papieren und Hygienepapieren geringfügig zurück. Der Bereich der grafischen Papiere befinde sich weiter in einem „tiefgreifenden Strukturwandel, der die ganze Wertschöpfungskette der Papierindustrie beeinflusst“, schreibt der Verband.

Weiterer Umsatzrückgang in der Papierindustrie

Trotz höherer Produktions- und Absatzmengen mussten die deutschen Papierproduzenten im ersten Halbjahr einen weiteren Umsatzrückgang um fast sieben Prozent hinnehmen. Im letzten Jahr waren die Erlöse bereits um mehr als ein Viertel eingebrochen. Gleichzeitig seien die Kosten für Zellstoff, Altpapier und Energie weiter angestiegen, klagt der Verband. Tatsächlich legten die Preise auf dem deutschen Altpapiermarkt vor allem für die Massensorten stark zu. Für Deinkingware summierte sich das Plus in den ersten sechs Monaten auf fast 100 € die Tonne.

Angesichts sinkender Umsätze und steigender Kosten verschlechtern sich die Betriebsergebnisse und damit die Investitionsfähigkeit der Papierunternehmen, heißt es weiter. In den vergangenen fünf Jahren seien in Deutschland bereits 25 Papiermaschinen stillgelegt und 16 Werke geschlossen worden. Für das laufende Jahr wurden bereits fünf weitere Maschinenstilllegungen und zwei Werksschließungen bekanntgegeben. „Produktion und wichtige Arbeitsplätze in der Branche und in den jeweiligen Regionen gehen verloren, weil an deutschen Standorten durch die Rahmenbedingungen nicht mehr in allen Bereichen wirtschaftlich produziert werden kann“, warnt der Verband.

Die Planungsunsicherheit durch kurzfristige politische Kurswechsel würden die Papierindustrie weiterhin belasten, kritisiert der Verband, der die Politik deshalb auffordert, die bürokratischen und regulatorischen Anforderungen zu vereinfachen, die Energiewende wieder „in geordnete Bahnen zu lenken“ und so die Transformation der Unternehmen zu unterstützen. Außerdem sollten europäische Regelungen nicht noch weiter zum Nachteil von deutschen Produktionsstandorten verschärft, sondern im Sinne eines fairen Wettbewerbs in Europa vergleichbare Standortfaktoren gehalten werden.

„Die vom Bundeskabinett parallel mit dem Haushalt 2025 angekündigte Wachstumsinitiative für den Wirtschaftsstandort Deutschland deutet zum Beispiel beim Thema Bürokratieabbau in die richtige Richtung“, lobt Verbandspräsident Hans-Christoph Gallenkamp. Es seien aber weitere Maßnahmen notwendig, um den Standort wirtschaftlich zu stärken und für Investitionen attraktiver zu gestalten. „Die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit der energieintensiven Industrien, wie durch eine Senkung der Netzentgelte, wäre ein Schritt in die richtige Richtung“, so der Chef des Spezialpapierherstellers Felix Schoeller.

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