Altmunition in der Ostsee: Pilot-Bergung und Ausschreibung für Entsorgungsplattform beginnen

Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) hat am vergangenen Mittwoch den Startschuss für die praktische Phase eines Programms zur Bergung von Munitionsaltlasten in Nord- und Ostsee gegeben. Bei einem Termin mit Vertretern aus der Entsorgungsbranche in Berlin kündigte sie an, dass im September die ersten Probe-Bergungen in der Lübecker Bucht beginnen sollen. Außerdem wurde das Vergabeverfahren für die Entwicklung und den Bau einer Entsorgungsplattform auf See informell eröffnet. Diese Plattform soll ab 2026 die dauerhafte Räumung und Vernichtung von über 1,6 Mio Tonnen Altmunition aus zwei Weltkriegen in industriellem Maßstab ermöglichen.

Für das 2023 aufgelegte Projekt stelle der Bund unverändert Mittel in Höhe von 100 Mio € bereit, teilte das BMUV mit. In einem ersten operativen Schritt gehe es nun vor allem darum, Erkenntnisse über den Zustand der Kampfmittel zu sammeln, um fundierte Grundlagen für die Ausgestaltung der geplanten Entsorgungsplattform zu schaffen. Die Probe-Bergungen in diesem Rahmen werden sich früheren Angaben zufolge zunächst auf die Standorte Haffkrug und Pelzerhaken Nord in der Ostsee konzentrieren.

Die Leitung der Pilotphase wird das Beratungsunternehmen Seascape übernehmen, das auf Großprojekte in Schiffbau, Meerestechnik und Verteidigungsindustrie spezialisiert ist. Die Aufträge für die Erkundungs- und Bergungsarbeiten wurden an die in Wandlitz und Hamburg ansässige SeaTerra GmbH mit Erfahrung im Bereich maritimer Sondierung und Räumung vergeben sowie an die Hamburger Bietergemeinschaft „Zukunftslösung für Munitionsbergung im Meer“, bestehend aus der Eggers Kampfmittelbergung GmbH und der Firma Hansataucher. Das berichtete die CDU-Fraktion der Gemeinde Scharbeutz, die direkt an der Lübecker Bucht liegt.

Ein weiterer Bergeauftrag vor der Küste von Großklützhöved in Mecklenburg-Vorpommern muss laut Lemke noch vergeben werden, meldete die Deutsche Nachrichtenagentur. Es werde mit einer Auftragsvergabe im kommenden Jahr gerechnet.

BMWK sucht Unternehmen zur Realisierung der Entsorgungsplattform

Als „Meilenstein“ bezeichnete die Umweltministerin den Beginn des Vergabeverfahrens zu Entwicklung und Bau der Entsorgungsplattform – einer schwimmenden Großanlage, die bis Ende 2026 eingerichtet werden soll. „Mit deren Hilfe wollen wir weltweit zum ersten Mal Munitionsaltlasten in industriellem Maßstab sicher und umweltgerecht aus dem Meer bergen und direkt auf See vernichten“, sagte Lemke bei der Berliner Informationsveranstaltung. Diese richtete sich den Angaben zufolge in erster Linie an die im Bereich der Kampfmittelräumung und -entsorgung tätigen Unternehmen, Anlagenhersteller, Werften, Zulieferer und Ingenieurbüros. Die formalen Ausschreibungen sollen Mitte September veröffentlicht werden.

Die Dringlichkeit des Projekts werde durch aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse unterstrichen, heißt es in der Pressemitteilung des BMUV. Seit 2019 sei bekannt, dass aus den korrodierenden Munitionskörpern Sprengstoff (TNT) und dessen Abbauprodukte austreten. Spuren davon seien bereits in Muscheln und Fischen nachgewiesen worden, was auf potenzielle Risiken für die Meeresumwelt und letztlich auch für die menschliche Gesundheit schließen lasse.

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