
Aus wirtschaftlicher Sicht muss die Aufbereitung von Altholz der Kategorien A I bis A III zu Hackschnitzeln durch eine einstufige Zerkleinerungstechnik mit integrierten Rosteinsätzen erfolgen. Zudem ist nur der Einsatz von langsamlaufenden Aggregaten ohne Schneidtechnik sinnvoll. Das sind die zentralen Ergebnisse des umfangreichen Projektes „AlthRO“. Daran waren - gefördert vom Bundeswirtschaftsministerium - der Entsorger Zosseder mit Sitz im bayerischen Eiselfing und die Stadtwerke Rosenheim beteiligt. Das letztlich auch aufgrund der Corona-Pandemie über mehr als vier Jahre laufende Projekt hatte das Ziel, aus Altholzgemischen der Klassen A I bis A III ein Substitut für getrocknete Waldhackschnitzel zu erzeugen, das im Holzvergaser der Stadtwerke Rosenheim ohne Einschränkungen einsetzbar ist.
Die umfangreichen Tests mit verschiedener Zerkleinerungs- und Separationstechnik ergaben, dass der Einsatz von Rosteinsätzen mit verschiedenen Lochungen erforderlich ist, um in einem Arbeitsgang bei ausreichendem Durchsatz genügende Mengen der benötigten Körnung zu erzeugen. Anlagen mit schneidenden Werkzeugen und hoher Umdrehungszahl erleiden binnen kürzester Zeit durch im Altholz beinhaltete Metall- und Mineralikreste schwerste Schäden, betonen die Projektpartner in ihrem Abschlussbericht.
Unter technischen Aspekten ist eine mehrstufige Absiebung notwendig. Dies kann entweder mit einem Sternsieb erreicht werden, um das Feinkorn kleiner 5 mm und das Überkorn von über 40 mm auszuleiten, oder mit zwei in Reihe gestellten Trommelsieben mit 5 mm bzw. 40 mm Siebtrommeln. Hintergrund ist, dass sowohl Feinanteile wie auch das Überkorn den Vergaserbetrieb und dessen Beschickungseinheiten stören und somit kein kontinuierlicher Betrieb möglich ist.
Die Wahl zwischen Trommel- oder Sternsiebanlage wird dem Abschlussbericht zufolge in der Praxis dadurch bestimmt, welche Anlagen verfügbar sind. Finanziell mache es keinen relevanten Unterschied, da geeignete Sternsiebe in etwa doppelt soviel kosten wie ein Trommelsieb, nämlich 400 € gegenüber 200 €. Das Sternsieb habe den Vorteil, dass nur ein Siebvorgang notwendig sei. Zwei Trommelsiebe seien in Recyclinganlagen, wenn nicht gerade die benötigte Körnung für den Vergaser erzeugt werden muss, an zwei verschiedenen Einsatzstellen nutzbar.
Aufbereitungskosten von 35 € je Tonne
Insgesamt beliefen sich die Kosten für die Altholzaufbereitung laut Abschlussbericht auf 34,99 € je Tonne. Das Gros davon entfällt mit 22,93 € je Tonne auf die Aufbereitung von A-III-Altholz auf eine Korngröße von 80 mm. Für die Absiebung des Fein- und Überkorns kommen jeweils 6,03 e je Tonnen hinzu.
Die Kosten für die Aufbereitung in Höhe von 35 € je Tonne liegen dem Abschlussbericht deutlich unter dem durchschnittlichen Preis für Hackschnitzel von 200 € je Tonne. In Abhängigkeit vom Altholzmarkt könne ein Verwerter zudem Einnahmen aus einer Annahmegebühr für Altholz generieren.
Umfangreiche Aufbereitungsversuche
Zum Projektumfang gehörten umfangreiche Aufbereitungsversuche, sowohl mit bereits bei Zosseder vorhandener Technik, als auch mit Aufbereitungstechnik bekannter Anbieter. Um etwa Erkenntnisse zum Bruchverhalten verschiedener Altholzqualitäten zu erhalten, wurden im Herbst 2021 parallel Schwemmholz, Altholz der Klasse A I, welches ausschließlich Massivholz enthielt, und ein gemischtes Sortiment Altholz A I bis A III aufbereitet. Zum Einsatz kamen dabei ein Vorbrecher Doppstadt Büffel und ein Vorführeraggregat der Firma Komptech, Model Axtor.
Nach den Zerkleinerungsversuchen wurden Sturzversuche durch die Stadtwerke Rosenheim durchgeführt um einzugrenzen, welches Material für die installierte Fördertechnik bei deren Vergaser geeignet ist. Im weiteren Verlauf wurden zudem mehrere Zerkleinerer verschiedener Firmen getestet in der Hoffnung, durch unterschiedliche Mahlwerke ein besseres Korn zu erhalten.
Die Beprobung der erzeugten Biomassen ergab, dass Massivhölzer wie in Klasse A I und Schwemmholz beim Zerkleinern zu deutlich mehr Überkorn in Form von langen Spänen führten. Dies bedeute bei der Beschickung des Vergasers ein erhebliches Problem durch Verstopfungen.
Bei dem gemischten Sortiment, das Anteile von teilweise weit über 50 Prozent Holzwerkstoffe wie MDF und Spanplatten enthält, wurde erheblich kubischeres Material mit nur einem geringen Anteil Überkorn erzeugt. Dafür ergab sich das Problem eines hohen Feinanteiles bis 10 mm, was wiederum Probleme im Vergaser verursachte. Zur Qualitätsüberprüfung wurden zudem Analysen nach Altholzverordnung beauftragt, die die Einhaltung der Grenzwerte dokumentierten.
Erste Umsetzung in der Praxis
Die Ergebnisse des Forschungsprojektes wurden laut Abschlussbericht bei Zosseder bereits in die Praxis umgesetzt. So beliefert das Unternehmen in diesem Jahr aufgrund der Ergebnisse eine lokale Heizung mit jährlich rund 2.000 Tonnen Hackschnitzeln. Selbstverständlich sei eine entsprechende Genehmigung nach BImSchG vorausgegangen.
Trotz aufwendiger Abluftreinigung rechne sich der Einsatz von Altholz der Klassen A I bis A III aufgrund des günstigen Preises im Vergleich zu getrockneten Waldhackschnitzel. Bei dieser Verwertung sei eine Skalierung sicherlich kurzfristig möglich, die Investitionskosten für eine entsprechende Hackschnitzelheizung mit BImSch-Zulassung seien jedoch erheblich, betont Clemens Knoch, Betriebsleiter Abfallwirtschaft bei Zosseder im Abschlussbericht.
Zudem plant Zosseder den Ausbau ihres Altholzumschlags sowie die Altholzaufbereitung auf 100.000 Jahrestonnen. Dies sei in den nächsten fünf Jahren mit Investitionen in Höhe von schätzungsweise drei Mio. € und der Schaffung von zwölf neuen Arbeitsplätzen verbunden. Als Übertragbarkeitszeitraum werden fünf bis zehn Jahr angenommen. Derzeit schlägt das Unternehmen 12.500 Tonnen Altholz im Jahr um.



