Alba SE verkauft saarländische Tochter an Stahlkonzern Georgsmarienhütte

Alba-Halbjahresbericht: Umsatz-, Mengen- und Ergebnisrückgang

Der Stahl- und Metallrecycler Alba SE trennt sich von seinem Tochterunternehmen Alba Metall Saar GmbH mit Sitz in Bous im Landkreis Saarlouis. Am 24. Juli wurde mit notarieller Urkunde die Veräußerung vereinbart, der Vollzug des Kaufvertrags stehe aber noch unter aufschiebenden Bedingungen, informiert das börsennotierte Unternehmen in seinem heute veröffentlichten Halbjahresbericht. Käufer ist der Stahlkonzern Georgsmarienhütte. Das Bundeskartellamt hat der Übernahme Anfang August bereits die Freigabe erteilt.

Das Alba-Management begründet den Verkauf der saarländischen Tochterfirma mit der Kündigung des Pachtvertrags durch den Vermieter am alleinigen Standort der Gesellschaft in Bous. Angaben zum Verkaufspreis werden nicht gemacht. Im Halbjahresbericht sind die Vermögenswerte und Schulden der Alba Metall Saar GmbH unter dem Posten „Vermögenswerte, die zu einer als zur Veräußerung eingestuften Veräußerungsgruppe gehören“ mit 4,7 Mio € (Aktiva) bzw. 5,0 Mio € (Passiva) bewertet. Da der vereinbarte Veräußerungspreis für sämtliche Geschäftsanteile höher als die bilanzierten Buchwerte sei, ergebe sich kein Wertminderungsbedarf, heißt es weiter.

GMH: Zentraler Meilenstein zum Ausbau des Geschäftsfeldes Kreislaufwirtschaft

Die GMH-Gruppe sieht in dem Erwerb der Alba Metall Saar einen „zentralen Meilenstein“ der Konzernstrategie zum Ausbau des Geschäftsfeldes Kreislaufwirtschaft. Mit einem im letzten Geschäftsjahr erzielten Umsatz von 21,8 Mio € sei die Alba Metall Saar GmbH ein zentraler Akteur im saarländischen Schrott- und Metallhandel. Durch die Ausweitung ihrer geografischen Präsenz im Südwesten Deutschlands werde die GMH-Gruppe ihr Schrottrecycling-Netzwerk erheblich ausbauen, die Verarbeitungskapazität erhöhen und zusätzliche Wertschöpfung in der Lieferkette schaffen.

„Diese Integration stärkt unsere regionale Präsenz und verbessert unsere Fähigkeit, qualitativ hochwertige recycelte Rohstoffe anzubieten, was unser Engagement für Nachhaltigkeit unterstreicht“, so Alexander Becker, CEO der GMH Gruppe. Die Akquisition sei aber nicht nur eine strategische Erweiterung, sondern auch ein entscheidender Schritt, um die notwendigen Ressourcen für die Elektroöfen der GMH-Gruppe zu sichern, die für den bis 2039 angestrebten CO2-neutralen Stahlproduktionsprozess des Unternehmens unerlässlich seien. Die Übernahme stelle sicher, dass die GMH-Gruppe ihre Kosten optimieren und den CO2--Fußabdruck ihres Stahls weiter deutlich reduzieren könne.

Wie der Stahlkonzern weiter informiert, soll die Alba Metall Saar GmbH in GMH Recycling Saar GmbH umbenannt und nahtlos in die Organisationsstruktur der GMH-Gruppe integriert werden. Das Unternehmen werde in die Prozesse der GMH Recycling eingebunden, wobei eine vollständige Verschmelzung bis 2025 erwartet wird.

Nach dem Verkauf der Alba Metall Saar besteht die Alba SE-Gruppe nun aus noch vier vollkonsolidierten Gesellschaften. Dies sind die Alba Scrap and Metals Holding GmbH mit Sitz in Berlin, die Alba Metall Nord GmbH in Rostock, die Alba Metall Süd GmbH in Stuttgart sowie die TVF Altwert GmbH in Cottbus. Ferner hält Alba eine 25-Prozent-Beteiligung an der in Malchow ansässigen Ziems Recycling GmbH.

Weitere Verkäufe sind derzeit nicht geplant. Einen im Frühjahr 2022 gestarteten Sondierungsprozess zum vollständigen Verkauf der Alba SE bzw. zur Hereinnahme eines strategischen Investors hatte das Management Mitte letzten Jahres wieder gestoppt. Begründet wurde diese Entscheidung mit dem „erheblichen Strukturwandel in der Stahlindustrie und im Metallrecycling“ und den damit einhergehenden „langfristig vielversprechenden Entwicklungsperspektiven“ für die Alba SE.

Alba erwartet weiteren Ergebnisrückgang

Das Geschäftsjahr 2023 sowie auch die erste Hälfte des Geschäftsjahres 2024 verliefen für die Alba SE allerdings unter den Erwartungen. Das vom Konzern als zentrale Steuerungsgröße genutzte operative Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) verringerte sich im letzten Jahr deutlich von 11,5 auf 2,1 Mio €. In diesem Jahr setzte sich der Abwärtstrend fort. Mit 190.000 € lag das Ebit der Alba SE-Gruppe nur noch knapp über der Gewinnschwelle, nachdem im Vorjahreszeitraum noch ein Ergebnis von 3,2 Mio € verbucht wurde. Als Reaktion darauf hatte die Unternehmensführung bereits in einer Anfang August veröffentlichten Ad-hoc-Mitteilung die Ergebnisprognose für das Gesamtjahr gesenkt. Statt des zuvor kommunizierten Ergebniskorridors von zwei bis vier Mio € rechnet die Alba SE für 2024 nun nur noch mit einem Ebit zwischen null und einer Mio €.

Wie die bisher in Köln und seit Ende Juli neu im brandenburgischen Velten ansässige Unternehmensgruppe im Zwischenbericht erläutert, gestaltete sich das Geschäftsumfeld der Alba SE im ersten Halbjahr erneut herausfordernd. Prägend waren eine geringe Verfügbarkeit und Nachfrage von Stahlschrotten und Nichteisen-Metallen, verbunden mit Einschränkungen in der Logistik sowie Einschränkungen durch Streiks in wichtigen Wirtschaftsbereichen. Das Geschäftsklima in relevanten Abnehmerbranchen war im Berichtszeitraum weiter verhalten, so Alba.

Absatzmenge und Umsatz gesunken

Bei sich seitwärts bewegenden Stahlschrottpreisen lagen die Absatzmengen an Eisen (FE)-Schrotten unter den Erwartungen. So wurden von Alba zwischen Januar und Juni in Summe 230.000 Tonnen FE-Schrott gehandelt – 10.000 Tonnen weniger als im Vorjahreszeitraum. Dagegen konnte die vermarktete Tonnage an Nichteisen (NE)-Metallen leicht von 38.000 auf 39.000 Tonnen gesteigert werden. Die positive Preisentwicklung im Bereich NE-Metalle einhergehend mit verbesserten Margen konnten vor allem im zweiten Quartal die konjunkturelle schwache Entwicklung in wichtigen Abnehmerindustrien abfedern, heißt es im Bericht.

Der Gesamtumsatz der Alba-SE-Gruppe – noch inklusive der Tochterfirma in Bous – summierte sich im Berichtszeitraum auf 167 Mio €, verglichen mit 173 Mio € im ersten Halbjahr 2023. Vor allem die Erlöse im Lagergeschäft waren rückläufig und verringerten sich deutlich von 133 auf 128 Mio €. Im Streckengeschäft meldet Alba einen leichten Umsatzrückgang von 31,9 auf 31,1 Mio € und auch durch Fertigungsaufträge wurden mit 7,5 Mio € weniger Umsätze erwirtschaftet als im Vorjahreszeitraum, als es 8,2 Mio € waren.

Rund 130 Mio € und damit 78 Prozent des Gesamtumsatzes erzielte der Schrott- und Metallrecycler im Inland. 30 Mio € wurden in anderen europäischen Ländern und 6,5 Mio € in nicht europäischen Ländern umgesetzt.

Mit durchschnittlich 381 Angestellten und gewerblichen Arbeitnehmern beschäftigte die Gruppe 13 Mitarbeiter weniger als im ersten Halbjahr 2023. Dennoch stiegen die Personalaufwendungen um knapp drei Prozent auf 11,0 Mio € an, was Alba SE mit Lohn- und Gehaltssteigerungen, teilweise basierend auf neuen Betriebsvereinbarungen, zurückführt.

Der Materialaufwand verringerte sich zwar von 144,2 auf 140,0 Mio €. Der Rückgang fiel allerdings geringer aus als beim Umsatz, so dass sich die Rohertragsquote im Vorjahresvergleich von 18,1 auf 17,4 Prozent verschlechterte.

Wertberichtigung auf Abbruchaufträge

Ferner weist Alba in seinem Zwischenbericht einen deutlichen Anstieg der Wertminderungsaufwendungen auf finanzielle Vermögenswerte und Vertragsvermögenswerte von 16.000 € auf 2,6 Mio € aus. Den Angaben zufolge handelt es sich hierbei größtenteils um Wertberichtigungen auf Vertragsvermögenswerte in Höhe von 2,5 Mio €. Dem liege die Annahme einer verminderten Durchsetzbarkeit von Nachträgen zu einzelnen Abbruchaufträgen zugrunde.

Dies alles habe zum genannten Ebit-Rückgang um drei Mio € auf 200.000 € geführt. Da sich allerdings beim Posten Ertragssteuern ein positiver Ertrag von 110.000 € ergab, nach einem Ertragssteueraufwand von 3,6 Mio € im Vorjahreszeitrau, konnte das Konzernergebnis nach Steuern unter dem Strich dennoch von minus 850.000 € im Vorjahr auf 1,15 Mio € gesteigert werden. Dieses entfällt, wie im Vorjahr, ausschließlich auf die Anteilseigner der Alba SE. Das Unternehmen gehört zu 93,5 Prozent Eric Schweitzer und seinen Kindern Patrick und Caroline. Die übrigen 6,5 Prozent befinden sich im Streubesitz.

Aktualisierung 15. August: Der Artikel wurde nachträglich um die Kommentierung der GMH-Gruppe ergänzt.

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