Zum Tod von Klaus Töpfer: Trauer um Vordenker nachhaltiger Kreisläufe

Er wird als Pionier der Kreislaufwirtschaft, weltweit starke Stimme für Nachhaltigkeit und als „Erfinder“ der deutschen Mülltrennung in Erinnerung bleiben: Der frühere Bundesumweltminister und CDU-Politiker Klaus Töpfer ist am Samstag im Alter von 85 Jahren gestorben. Vertreter aus der Entsorgungsbranche, aus Politik und Umweltschutz würdigen seine Verdienste.

Die Fachverbände BDE, bvse, ITAD, RETech und die DGAW loben Klaus Töpfer in einer Beileidsbekundung an die Familie als „stets vorausdenkenden Impulsgeber“. Sein Name werde immer mit dem Kreislaufwirtschaftsgesetz, der Produktverantwortung, der getrennten Sammlung und wichtigen Umweltvorschriften wie der TA-Luft und dem Bundesimmissionsschutzgesetz verbunden sein. „Wir werden sein Andenken bewahren und uns in seinem Sinne weiter engagiert für die Entwicklung der Kreislaufwirtschaft einsetzen“, heißt es in der gemeinsamen Erklärung.

„Mit der Einführung der erweiterten Produktverantwortung für Verpackungen hat er ein zukunftsweisendes Konzept auf den Weg gebracht“, sagte Laurent Auguste, CEO des Grünen Punkts. Die 1991 beschlossene Verpackungsordnung war das erste Regelwerk, das die Hersteller an der Entsorgung ihrer Produkte beteiligte. Durch diese „mutige politische Entscheidung“ sei der Grüne Punkt und damit das weltweit erste duale System entstanden. Nach dessen Vorbild werde heute in immer mehr Ländern eine Vielzahl von Produkten auf breiter Front recycelt.

Auch zahlreiche Politiker drückten Anteilnahme und Respekt aus. Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) hob hervor, mit welcher ansteckenden Begeisterung und Fähigkeit als „Brückenbauer“ Töpfer das Amt von 1987 bis 1994 ausfüllte: „Klaus Töpfer stand für das Aussöhnen von Ökologie und Ökonomie“, erklärte sie. „Als Bundesminister hat er dem noch jungen Umweltministerium, das nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl gegründet worden war, zu Profil und politischem Gewicht verholfen.“

„Er war von festen Überzeugungen geleitet“, schrieb Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) in einem Kondolenzbrief. „Aber sein Wirken war von einem Pragmatismus geprägt, der versuchte, nicht das Utopische, sondern das Mögliche zu erreichen.“ Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) bescheinigte ihm „Weitsicht“ und bedauerte, dass seine „starke Stimme“ künftig fehlen werde. CDU-Chef Friedrich Merz nannte Töpfer einen „streitbaren Kämpfer für die Nachhaltigkeit“. Und für NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) war er „einer der größten Umweltpolitiker unserer Zeit“ und „bis zuletzt ein weltweit gehörter und international geachteter Mahner“. Vieles von dem, was wir heute diskutieren, habe er schon vor Jahrzehnten vorausgesehen, erklärte Wüst. Nordrhein-Westfalen verdanke seinem Engagement unter anderem, dass Bonn heute ein wichtiger Standort der Vereinten Nationen sei.

Nach seinem Ausscheiden aus dem Amt des Bundesumweltministers war Töpfer von 1998 bis 2006 Direktor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP). Die heutige UNEP-Chefin Inger Andersen betonte, dass er einen entscheidenden Abschnitt in der Geschichte des UNEP leitete, „in dem die ökologische Nachhaltigkeit sich zum Schlagzeilenthema entwickelte und ins Zentrum der internationalen Entwicklungsziele rückte“. Die Welt habe eine „echte Führungspersönlichkeit im Umweltbereich“ verloren.

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