
Die vom Bundesumweltministerium durchgeführten Testbergungen von Altmunition in der Ostsee sind Anfang September abgeschlossen worden. Nach Angaben des Ministeriums lieferten die Einsätze „viele wichtige Erkenntnisse“, die in die Entwicklung einer geplanten schwimmenden Entsorgungsanlage auf See einfließen sollen. Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) warnte in diesem Zusammenhang erneut vor den Gefahren durch korrodierende Kampfmittel: „Verrostende Munition am Meeresgrund setzt giftige Stoffe wie TNT frei, die über die Meerestiere auch in unsere Nahrungskette gelangen können.“
Die Pilotvorhaben hätten gezeigt, dass aktuelle Erkundungs- und Bergungstechnologien grundsätzlich einsatzfähig sind, berichtet das Ministerium. Zugleich wurden Entwicklungsbedarfe sichtbar – etwa feinfühligere Greifer und eine bessere Ausleuchtung der Arbeitsbereiche. Die Bedingungen unter Wasser erwiesen sich als heterogen. So liege die Altmunition in sehr unterschiedlichen Zuständen auf dem Meeresboden, teils mehrere Meter tief eingebettet oder durch Korrosion fest mit dem Untergrund verbacken. Während manche Hüllen noch intakt waren, waren andere stark verfallen und setzen vermehrt sprengstofftypische Verbindungen frei, heißt es. Vereinzelt seien auch gänzlich frei liegende Explosivstoffe gefunden worden, da die Umhüllungen bereits völlig korrodiert waren.
Begleitend wurde gemeinsam mit den Bergungsfirmen ein Datenmanagement erprobt und verfeinert, um die lückenlose Nachverfolgbarkeit jedes geborgenen Stücks Munition vom Fund bis zur Entsorgung sicherzustellen. Das Umweltmonitoring habe im Umfeld der Arbeiten keine erhöhten Werte giftiger Sprengstoffrückstände ergeben, betont das Ministerium. Das Hantieren mit der Munition setzte demnach nicht mehr Schadstoffe frei als der natürliche Zerfall aus korrodierenden Kampfmitteln.
Während der vier jeweils über 30 Tage laufenden Testläufe wurden in der Lübecker und der Mecklenburger Bucht insgesamt rund 18 Tonnen Munitionsaltlasten geborgen. Der überwiegende Teil wurde in Unterwassercontainern gesichert, um später direkt auf See der geplanten Entsorgungsanlage zugeführt zu werden. Etwa 1,6 Tonnen gelangten an Land und sollen nach ausführlicher Untersuchung bei dem Kampfmittelbeseitiger GEKA in Munster fachgerecht entsorgt werden.
Mit Abschluss der Erprobungsphase leitet das Ministerium nun die nächsten Schritte des „Sofortprogramms Munitionsaltlasten in Nord- und Ostsee“ ein. Im Zentrum stehen dabei die Entwicklung und der Bau einer schwimmenden Plattform zur Entsorgung der geborgenen Altmunition. Gesucht werde ein Innovationspartner, der gemeinsam mit dem Bund die Anforderungen erstmals definiert und realisiert, heißt es weiter. „Unser Ziel ist es, die weltweit erste schwimmende Entsorgungsanlage zu bauen, um effektiv Altmunition aus den Meeren zu bergen. Damit schützen wir unsere Küsten, die Meeresumwelt und uns Menschen“, betont Minister Schneider.



