
Die Organisation der Erweiterten Herstellerverantwortung (EPR) soll nicht verstaatlicht werden: Mit dieser Kernforderung wendet sich die PRO Circularity Alliance an die Europäische Kommission. Der Dachverband der sogenannten Producer Responsibility Organisations (PROs) ruft Brüssel dazu auf, aktuellen Bestrebungen einzelner Mitgliedstaaten entgegenzutreten, die behördlich betriebene PROs einrichten wollen. In einem Positionspapier warnt die Allianz außerdem davor, die von den Herstellern gezahlten Entgelte zur Wahrnehmung ihrer Pflichten künftig als öffentliche Einnahmen umzuklassifizieren. Dies würde das Prinzip der EPR aushöhlen.
Die EPR (Extended Producer Responsibility) verpflichtet Hersteller, für das Lebensende ihrer Produkte finanziell und organisatorisch einzustehen. In der Praxis übernehmen dies meist privatwirtschaftliche Systembetreiber, die im Auftrag der Industrie die Rücknahme und das Recycling koordinieren. Durch eine staatliche Regie dieser PROs sieht der Dachverband den Fortschritt der Kreislaufwirtschaft in den letzten Jahrzehnten gefährdet.
Zentraler Kritikpunkt ist der Ansatz, EPR-Gebühren als öffentliche Mittel zu behandeln. Dadurch entfiele die direkte Koppelung an die Abfallbewirtschaftsleistung und es würden Anreize geschwächt, Produkte umweltfreundlicher zu gestalten. Zudem drohe, dass die Gelder im allgemeinen Haushalt verwendet, anstatt in Infrastruktur und Systemverbesserungen der Kreislaufwirtschaft reinvestiert zu werden. Hier appelliert die PRO Circularity Alliance nachdrücklich an die EU, zu bekräftigen, dass EPR-Beiträge zweckgebundene Umweltbeiträge bleiben.
Des Weiteren verwässere eine öffentliche Verwaltung der PROs die Kontrollierbarkeit: Den Herstellern werde die Möglichkeit genommen, die Leistung der Systeme zu überwachen. Der Wegfall des Wettbewerbs zwischen verschiedenen PROs könne zu Ineffizienzen und sinkenden Qualitätsstandards bei Sammlung und Recycling führen. Schließlich sind staatliche Monopole aus Sicht des Verbands weniger in der Lage, notwendige Innovationen wie digitale Berichterstattung und Rückverfolgbarkeit (z.B. Digitaler Produktpass) oder neue Geschäftsmodelle zur Abfallvermeidung voranzutreiben.
Die Allianz fordert die Kommission daher auf, die Unabhängigkeit und operative Rolle der PROs bei künftigen Revisionen des EU-Rechts explizit zu schützen. Die Botschaft aus Brüssel müsse lauten: Herstellerverantwortung bleibt im Einklang mit dem Verursacherprinzip industriegetragen. Staatliche PROs dürften nur in gerechtfertigten Ausnahmefällen zulässig sein. Dies gelte für alle entsprechend geregelten Abfallströme und solle ausdrücklich bei der aktuell anstehenden Ausgestaltung von Textil-EPR-Systemen in den Mitgliedstaaten berücksichtigt werden.
Die PRO Circularity Alliance wurde wie berichtet im September 2025 als Interessenvertretung für privatwirtschaftliche Produzentenverantwortungsorganisationen von GRS Service, der Stiftung GRS Batterien und der Reclay Holding gegründet. Sie repräsentiert Mitglieder aus verschiedenen Segmenten, darunter Batterien, Elektroaltgeräte und Textilien. Ziel des Netzwerks ist es, den PROs eine gemeinsame Stimme auf EU-Ebene zu geben, um praxisnahe Lösungen für die Umsetzung von EPR-Systemen zu liefern.



