
Seit heute gilt die neue EU-Ökodesignverordnung für Smartphones und Tablets. Das bedeutet unter anderem, dass alle Geräte, die ab dem 20. Juni in Verkehr gebracht werden, ein sogenanntes Energielabel haben müssen – ähnlich wie es das für Kühlschränke, Fernseher oder Waschmaschinen schon gibt. Damit sollen Verbraucher künftig vor dem Kauf einschätzen können, wie energieeffizient, aber auch wie langlebig und reparaturfreundlich ein Produkt ist.
Auf dem Label ist künftig neben einer Einordnung der Geräte nach der Europäischen Energieeffizienzskala von A (grün) bis G (dunkelrot) zum Beispiel auch zu sehen, wie viele Stunden und Minuten der Akku nach vollständiger Ladung hält und wie viele Ladezyklen er übersteht, bis er nur noch 80 Prozent der ursprünglichen Kapazität hat.
Wie robust das Gerät bei Stürzen ist und wie leicht man es reparieren lassen kann, wird jeweils auf Skalen von A bis E angegeben. „Je einfacher es ist, ein Produkt zu zerlegen und Ersatzteile zu finden, desto höher ist die Reparaturklasse“, sagte ein Sprecher der europäischen Verbraucherschutzorganisation Beuc. „Die Verbraucher sollten jedoch wissen, dass der Preis für Ersatzteile und Reparaturdienste nicht in die Endnote einfließt.“ Ein Smartphone der besten Reparaturklasse A bedeute nicht unbedingt, dass es billiger zu reparieren ist. Eine weitere Skala gibt an, wie geschützt das Gerät vor Staub (0 bis 6) und Feuchtigkeit (0 bis 8) ist.
Lieferanten und Händler müssen nach Angaben der Europäischen Kommission dafür sorgen, dass sich die Kennzeichnung sichtbar und in der Nähe des Produkts befindet – sowohl online als auch im Laden. Die Verbraucherschutzorganisation Beuc zeigte sich erfreut über die nützlichen Informationen auf dem Etikett: „Das Energielabel kann den Verbrauchern helfen, die leistungsstärksten Produkte zu finden“, sagte ein Sprecher.
Lob kam auch von der Vizepräsidentin des EU-Parlaments, Katarina Barley (SPD): „Niemand muss mehr rätseln, ob das neue Smartphone beim ersten Defekt gleich in den Müll wandert. Das bringt Klarheit, schützt den Geldbeutel und ist ein echter Schritt hin zu mehr Nachhaltigkeit im Alltag.“
Die Vorsitzende des Binnenmarktausschusses im EU-Parlament, Anna Cavazzini (Grüne), hält die neuen Regelungen für einen großen Erfolg. „Jetzt kommen wir in der Kreislaufwirtschaft endlich in die Umsetzung – und das ist bitter nötig, um von dem riesigen Ressourcenverbrauch der EU runterzukommen“, sagte sie. „Das macht Nachhaltigkeit zur Norm an der Ladentheke.“ Zudem appellierte sie an die Kommission, Vorgaben für weitere Produktgruppen zu erarbeiten.
Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) begrüßte die Änderung, kündigte zugleich an, die Einhaltung der Vorgaben stichprobenartig im Handel zu überprüfen und forderte eine Ausweitung auf alle Elektrogeräte. „Die neuen Regelungen für Smartphones und Co. sind ein wichtiger Schritt zu umweltfreundlicheren Produkten und einer verbesserten Verbraucherinformation“, sagte DUH-Bundesgeschäftsführerin Barbara Metz. „Aber was ist mit all den anderen Elektrogeräten? Die Schrottberge aus kurzlebigen und reparaturfeindlichen Geräten werden von Jahr zu Jahr größer.“
Nach Angaben des Fraunhofer-Instituts für Zuverlässigkeit und Mikrointegration in Berlin, das an der Entwicklung des Energielabels beteiligt war, wird derzeit ein vergleichbares Label für Laptops erarbeitet. Es soll voraussichtlich ab 2028 eingeführt werden.
Parallel zur Kennzeichnungspflicht gelten für Hersteller nun auch neue Anforderungen für das Ökodesign, nach denen Smartphones und Tablets widerstandsfähiger und die Akkus langlebiger werden sollen. Hersteller müssen außerdem bis sieben Jahre nach dem Kauf wichtige Ersatzteile wie Displays, Akkus und Kameramodule innerhalb von fünf bis zehn Werktagen bereitstellen. Softwareupdates müssen mindestens fünf Jahre lang angeboten werden. (dpa/ eigener Bericht)



