
Eine aktuelle Studie des Geomar Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung in Kiel weist erneut auf die Gefahren durch Altmunition in der Ostsee hin. Wissenschaftler fanden giftige Munitionschemikalien in fast allen Wasserproben aus den Jahren 2017 und 2018, insbesondere in der Kieler und Lübecker Bucht. Zwar würden die Werte derzeit unterhalb einer kritischen Schwelle für Gesundheitsrisiken liegen, dennoch unterstreichen die Erkenntnisse laut Geomar den dringenden Handlungsbedarf. Denn ohne Bergungsmaßnahmen könnte der Eintrag toxischer Substanzen zunehmen.
Wenn die Metallhüllen der Munition rosten, werden giftige Stoffe wie TNT oder DNB freigesetzt. Laut der Studie sind in der Lübecker und Kieler Bucht bereits rund 3.000 Kilogramm solcher Chemikalien ins Meer gelangt. Die Korrosion und weitere Kontamination des Wassers könne noch mindestens 800 Jahre andauern, falls kein Eingreifen erfolgt, hieß es weiter.
Insgesamt wird die Munitionsbelastung der deutschen Nord- und Ostsee aus zwei Weltkriegen auf rund 1,6 Mio Tonnen geschätzt. Im vergangenen September hat die Bundesregierung wie berichtet die praktische Phase eines Räumungsprogramms eingeleitet. Erste Probe-Bergungen sollten in der Lübecker Bucht stattfinden. Zudem startete das Vergabeverfahren für eine schwimmende Entsorgungsplattform, die ab 2026 die Beseitigung von Kampfmitteln im industriellen Maßstab ermöglichen soll. Zuletzt hat Schleswig-Holsteins Umweltminister Tobias Goldschmidt (Grüne) Mitte Februar bei der deutschen EU-Vertretung in Brüssel für einen europäisch abgestimmten Umgang mit den Altlasten im Meer geworben.



