Mit KI gegen Plastik in der Biotonne

In der Stadt Reutlingen wird mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz beobachtet, wie viel Plastik in den Tonnen für Biomüll landet. Laut Projektleiter Henrique Barbosa läuft die Mülltrennung beim Biomüll in der Stadt nicht ganz so gut. Deswegen fahren seit einigen Wochen außen und innen mit Kameras und Sensoren ausgestattete Müllwagen durch die Straßen.

Die Detektionssysteme an den Reutlinger Abfallsammelfahrzeugen können Fremdstoffe teilweise bereits vor, spätestens jedoch während des Schüttvorganges erkennen. Zu Fremdstoffen zählen beispielsweise Plastik und Holz, erzählt Mitarbeiter Kai Petruv: „Also alles, was nicht zu Bio gehört, das erkennt die KI und macht davon auch Fotos.“

Über das Ergebnis der KI-Analyse informieren Mitarbeiter der Technischen Betriebsdienste Reutlingen (TBR) die Bürger jetzt noch über an der Biotonne angebrachte Aufhänger. Richtig befüllte Tonnen erhalten einen grünen Aufhänger, der das korrekte Sammeln bestätigt. Falsch befüllte Behälter erhalten einen gelben Aufhänger. Das bedeutet: Hier ist noch Verbesserungsbedarf. Geleert werden die Tonnen in dieser Phase aber noch.

Rote Karte und Bußgelder 

Schon bald wird es aber ernst. Ab Mai gelten in Deutschland strengere Regeln für die Entsorgung von Biomüll. Wenn die KI dann Plastik und sonstige Störstoffe im Biomüll feststellt, folgt ein roter Zettel. Die Tonne bleibt ungeleert stehen. Betroffene Haushalte müssen diese dann von Hand nachsortieren und zur nächsten regulären Leerung bereitstellen oder eine Sonderleerung beauftragen. Diese soll bis zu 80 € kosten. Fallen die Verunreinigungen erst beim Schüttvorgang auf, ist die Tonne laut Stadt zwar geleert, jedoch wird ein Odnungswidrigkeitenverfahren eingeleitet und gegebenenfalls ein Bußgeldbescheid erlassen.

Die in Reutlingen gesammelten Bioabfälle bilden mit fast 20 Prozent einen großen Teil der häuslichen Abfälle: Pro Person fallen jährlich rund 80 Kilogramm an. Allerdings überschreitet der Fremdstoffgehalt des Reutlinger Bioabfalls die Grenzwerte teils deutlich, heißt es bei den TBR.

Reutlingen ist nicht die erste Stadt in Baden-Württemberg, die strenger gegen Fremdstoffe im Bioabfall vorgeht. Die Qualität des Biomülls werde unter anderem auch in Pforzheim geprüft. In Karlsruhe wurden im vergangenen Sommer bei einer Untersuchung mit einem elektronischen Störstoffdetektor ebenfalls hohe Anteile an Metall und Plastik im Bioabfall festgestellt. (dpa/eigener Bericht)

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