Die europäischen Branchenverbände Euric und FEAD fordern „dringende Unterstützung“ für den Alttextil-Sektor, bis die erweiterte Herstellerverantwortung (EPR) für Textilien vollständig greift. Bereits mehrfach hatte Euric auf die „beispiellose Krise“ der Sammler, Sortierer und Verwerter von Altkleidern hingewiesen und einen drohenden Kollaps als realistisches Szenario aufgezeigt. Um das zu verhindern, schlägt der Verband in einem gemeinsamen Positionspapier mit FEAD nun zehn zentrale Maßnahmen vor. Darunter kurzfristige Finanzhilfen, Steuererleichterungen und Investitionen in die Infrastruktur zur Bewirtschaftung textiler Abfälle. Ohne sofortiges Eingreifen werde „ein ganzes industrielles Ökosystem, das für die Kreislaufwirtschaft von zentraler Bedeutung ist, zusammenbrechen, bevor die EPR wirksam wird“, warnen die Organisationen.
Den Beschluss, die Bekleidungsindustrie an der Finanzierung zu beteiligen, wenn es um den Umgang mit ihren Produkten nach der Erstnutzung geht, begrüßen Euric und FEAD ausdrücklich. Zur Realisierung sieht die im Februar vorläufig vereinbarte Änderung der EU-Abfallrahmenrichtlinie wie berichtet eine europaweite Einführung von EPR-Systemen vor. Den Verbänden zufolge ist das ein „entscheidender Schritt“, um den Wettbewerb im Binnenmarkt zu sichern und Anreize für den notwendigen Ausbau der Sortier- und Recyclingkapazitäten zu schaffen. Allerdings handle es sich dabei um den langfristig richtigen Weg – für die akute Krise könnten die EPR-Systeme keine Lösung bieten, allein schon weil die EU-Mitgliedstaaten nach Inkrafttreten der Vorschriften 30 Monate Zeit haben, um diese zu implementieren.
Verschärft werde die Lage zusätzlich durch die seit Januar geltende Getrenntsammlung für Textilien, wodurch die Menge der gesammelten Altkleider weiter ansteige, während deren Qualität sinke, insbesondere aufgrund der Zunahme von Ultra-Fast-Fashion-Produkten. Darüber hinaus sei das Recycling oder alternativ die Verbrennung von nicht wiederverwendbaren Waren für Sortierer und Wiederverwender nach wie vor kostspielig, ganz abgesehen von der mangelnden Akzeptanz der sekundären Textilfasern auf den Märkten. „Diese Umstände stellen die wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit unserer Industrie in Frage und gefährden potenziell die Ressourcenautonomie der EU“, schlussfolgern Euric und FEAD.
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