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UBA: Kunststoffstrategie der EU zu zahnlos


Maria Krautzberger (Quelle: UBA)
18.01.2018 − 

Das Umweltbundesamt vermisst in der Kunststoffstrategie der EU-Kommission konkrete Maßnahmen. Auch die von EU-Hauhaltskommissar Günther Oettinger vorgeschlagene Kunststoffsteuer wird von der Behörde kritisiert. „Das Ziel der EU-Kommission bis zum Jahr 2030 Kunststoffe deutlich zu reduzieren, ist zu begrüßen – ob es auch Realität wird, hängt aber sehr stark von der praktischen Umsetzung der Plastikstrategie ab. Und hier fehlen leider an vielen Stellen griffige Vorschläge. Mir ist das zu zahnlos“, reagierte Maria Krautzberger, Präsidentin des Umweltbundesamtes, auf die Mitteilung der EU-Kommission.

Krautzberger zufolge enthält die Plastikstrategie zwar viele Prüfaufträge, aber kaum konkrete Maßnahmenvorschläge der Kommission selbst, die wirklich sicherstellen, dass weniger Kunststoff in die Umwelt kommt. Zum großen Teil würden Produzenten, Verbraucher und Mitgliedsstaaten in der Verantwortung gesehen, die Kunststoffstrategie zum Erfolg zu bringen. Positiv bewertet das UBA, dass die Kunststoffstrategie alle Aspekte des Umgangs mit Kunststoff adressiert, von der Rohstoffgewinnung bis zur Abfallentsorgung. Zudem würden erstmalig alle Akteure angesprochen, die mit Kunststoff zu tun haben, von den Produzenten über die Konsumenten bis hin zu Recyclingunternehmen und Kunststoff-Verbänden. Allerdings bleibe völlig offen, wie Länder, die bisher kaum oder wenig Kunststoffrecycling betreiben, die ambitionierten Ziele erreichen sollen.

Auch der Meeresschutz kommt der UBA-Chefin zu kurz: „International wird auf allen Ebenen gegen Müll im Meer gekämpft. Da wäre ein anspruchsvolles Minderungsziel der EU ein wichtiges Zeichen für die Umwelt“, so Krautzberger. Sie ging auch kurz auf mögliche fiskalische Maßnahmen der Strategie ein, wie etwa eine Steuer auf Kunststoffe, die EU-Kommissar Oettinger ins Spiel gebracht hat. Das UBA sieht eine pauschale Steuer auf Kunststoffe allerdings kritisch. „Das muss man sich im Detail ansehen. Eine Kunststoffsteuer birgt die Gefahr, dass auf Materialien ausgewichen wird, die eine schlechtere Ökobilanz als Kunststoffe haben. Das müssen wir auf jeden Fall verhindern“, sagt Krautzberger. So würden statt Plastiktüten häufiger Papiertüten eingesetzt, die aufgrund des hohen Energiebedarfs in der Produktionsphase jedoch oft eine schlechtere Ökobilanz hätten.

Eine ausführliche Berichterstattung zur Kunststoffstrategie der EU-Kommission und zu den Reaktionen aus Wirtschaft und Politik lesen Sie in Ausgabe 04/2018 von EUWID Recycling und Entsorgung.

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