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EU nimmt insgesamt zehn Einwegprodukte aus Kunststoffen ins Visier


Timmermans heute in Brüssel
(Quelle: EU-Kommission
Audiovisieller Service)
28.05.2018 − 

Zur Reduzierung der Meeresverschmutzung mit Plastikabfällen hat die EU-Kommission heute ihre Pläne im Kampf gegen Einwegprodukte aus Kunststoffen vorgestellt. Ins Visier nimmt sie dabei zehn Produktkategorien, auf die zusammen 70 Prozent des in den Meeren gefunden Abfalls entfällt. Für die verschiedenen Produkte sollen dabei unterschiedliche Maßnahmen ergriffen werden. An oberster Stelle steht dabei ein Verbot. Hiervon betroffen sind Wattestäbchen, Einweggeschirr sowie Stäbe für Luftballons. Für diese Produkte gebe es bereits erschwingliche Alternativen zu Kunststoff, so dass sie vom Markt genommen werden könnten, erklärte die Kommission.

„Plastikmüll ist zweifellos ein großes Problem und die Europäer müssen mit vereinten Kräften dagegen vorgehen, denn der Plastikmüll landet letztlich in unserer Luft, unseren Böden, unseren Ozeanen und unserem Essen“, erklärte Kommissionsvizepräsident Frans Timmermans heute bei der Vorstellung der Pläne. Das sei der bisher ambitionierteste Plan zur Senkung der Meeresvermüllung weltweit, sagte er in Brüssel. „Die heutigen Vorschläge sehen eine Reihe von Maßnahmen vor, die dazu führen werden, dass wir in unseren Supermärkten weniger Einwegplastik vorfinden werden. Wir werden einige dieser Artikel aus den Regalen verbannen und sie durch sauberere Alternativen ersetzen, sodass den Menschen ihre Lieblingsprodukte weiterhin zur Verfügung stehen.“

Anders sieht es aus bei Produkten, für die es noch keine offensichtlichen Alternativen gibt. Hier liege der Schwerpunkt auf der Eindämmung ihres Verbrauchs durch entsprechende Maßnahmen der Mitgliedstaaten. Vor allem sollten weniger Lebensmittelverpackungen und Getränkebecher aus Kunststoff verwendet werden. Dies könnten die EU-Staaten erreichen, indem sie nationale Ziele für die Verbrauchsminderung festsetzen, die Verfügbarkeit alternativer Produkte in den Geschäften verbessern oder sicherstellen, dass Einwegkunststoffprodukte nicht kostenlos zur Verfügung gestellt werden, erklärt die Kommission.

EU-weite Sammelquote für Einwegflaschen

Für Getränke-Einwegflaschen aus Kunststoffen schwebt der Kommission hingegen eine konkrete Sammelquote vor. Bis 2025 sollen die Mitgliedstaaten beispielsweise durch Pfandsysteme eine Mindestquote von 90 Prozent erreichen. Außerdem sollen Einweg-Getränkebehälter mit Kunststoffen künftig nur noch zugelassen werden, wenn ihre Deckel und Verschlüsse an den Flaschen und Packungen befestigt sind. Andernfalls droht auch hier ein Verbot.

Auch die Hersteller will die EU stärker in die Pflicht nehmen. Sie sollen die Kosten für die Entsorgung ihrer Kunststoffprodukte, die Säuberung der Umwelt sowie für Verbraucherkampagnen übernehmen. Diese Maßnahmen schweben der Kommission bei Behältern, Tüten und Folienverpackungen für Lebensmittel wie beispielsweise für Chips und Süßigkeiten sowie für Getränkeflaschen und -becher vor. Aber auch für die Entsorgung von Zigarettenstummeln, Feuchttüchern, Luftballons und leichten Kunststofftragetaschen sollen die Produzenten stärker zur Kasse gebeten werden.

Fischereiindustrie ebenfalls betroffen

Auch für Kunststoffabfälle aus der Fischereiindustrie will die Kommission die Herstellerverantwortung ausweiten. Auf Fanggeräte aus Kunststoffen entfallen immerhin 27 Prozent aller Strandabfälle, heißt es. Daher sollten die Hersteller die Kosten für das Einsammeln der Abfälle aus den Hafenauffangeinrichtungen sowie den Transport und die Behandlung dieser Abfälle übernehmen müssen. Auch die Kosten für Sensibilisierungsmaßnahmen sollen die Produzenten tragen.

Als nächstes müssen nun das Europäische Parlament sowie die Mitgliedstaaten im Rat über die Vorschläge beraten. Die Kommission fordert die beiden EU-Institutionen allerdings auf, das Maßnahmenpaket zeitnah und mit besonderer Wichtigkeit zu behandeln. Noch vor der Europawahl im Mai 2019 sollten den Bürgern greifbare Ergebnisse präsentiert werden.

Einen ausführlichen Bericht zu den Plänen der EU-Kommission zur Senkung des Verbrauchs von Einweg-Kunststoffprodukten lesen Sie in EUWID Recycling und Entsorgung 22/2018. Der Text steht bereits jetzt im E-Paper zur Verfügung:

EU nimmt insgesamt zehn Einwegprodukte aus Kunststoffen ins Visier

 

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