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Doch keine PFC-Monodeponie in Gaggenau-Oberweier


In Mittel- und Nordbaden sind über
1.100 Hektar Ackerland mit PFC verunreinigt.
07.07.2021 − 

Kehrtwende in dem seit Monaten schwelenden Streit um die Pläne für eine Monodeponie für PFC-belastete Abfälle im baden-württembergischen Gaggenau-Oberweier. „Von der Errichtung eines PFC-Bereichs auf der Deponie Hintere Dollert wird abgesehen“, diese Beschlussempfehlung fasste gestern der Betriebsausschuss des Eigenbetriebs Abfallwirtschaftsbetrieb (AWB) des Landkreises Rastatt. An den Plänen zur Errichtung einer DK-I-Deponie am Standort soll aber festgehalten werden. Die finale Entscheidung obliegt dem Kreistag, der Ende Juli zusammenkommt.

Wie berichtet, will der AWB die Deponie Hintere Dollert erweitern und hat hierzu im Oktober eine Machbarkeitsstudie vorgestellt. Die bisherigen Pläne sahen vor, die ehemaligen sogenannten Übergangsdeponien West und Ost zu überlagern und das Areal zu einer Deponie der Klasse I mit einem Ablagerungsvolumen von 315.000 Kubikmetern auszubauen. Zum anderen sollte auf dem noch in Betrieb befindlichen sogenannten „Zentralteil“ ein spezieller Monobereich mit gesonderter Sickerwassererfassung für die Ablagerung von rund 335.000 Kubikmetern mit per- und polyfluorierten Chemikalien (PFC) verunreinigten Böden entstehen.

Hintergrund ist ein Umweltskandal, der die Region Rastatt/Baden-Baden seit Jahren bewegt. Einem Düngemittel- und Komposthersteller wird vorgeworfen, Kompost mit PFC-belasteten Papierschlämmen versetzt zu haben und damit über 1.100 Hektar Bodenfläche und rund 55 Quadratkilometer Grundwasseroberfläche mit PFC verunreinigt zu haben.

Gutachter: Rheinmünster und Bühl als PFC-Deponiestandort besser geeignet

Allerdings kommt das vom Landkreis beauftragte Karlsruher Ingenieurbüro Roth & Partner in einer vertieften Standortuntersuchung nun zu dem Schluss, dass sich der für eine PFC-Deponie in Betracht gezogene Standort in Gaggenau-Oberweier aufgrund seiner Lage in einer Wasserschutzzone  nicht gut eignet. Dafür rückten bei der vorgenommenen Alternativenprüfung andere Standorte im Landkreis Rastatt in den Fokus. Die höchste Punktzahl zur Eignung als PFC-Monodeponie erreichen demnach die Standorte Stollhofen 1 und 2 in der westlich gelegenen Gemeinde Rheinmünster sowie der Standort Bühl-Nord im Süden des Kreisgebiets.

Dagegen konnten Roth & Partner die in der AWB-Machbarkeitsstudie bewertete gute Eignung der Deponie Oberweier für die Realisierung einer DK-I-Deponie bestätigen. In nahezu allen Kriterien, z.B. Flächenverbrauch, Abstand zu Siedlungsflächen, ortsfreie Zufahrt, konnte der Standort die maximale Punktzahl erreichen. Der Betriebsausschuss des Eigenbetriebs AWB empfiehlt dem Kreistag für die am 27. Juli anstehende Sitzung daher, weitere Projektschritte für den Ausbau der Übergangsdeponie auf der Deponie Hintere Dollert vorzunehmen. Zudem solle ein begleitender Runder Tisch zusammen mit der Stadt Gaggenau und der örtlichen Bürgerinitiative eingerichtet werden, um strittige Fragen zum Betrieb und Ausbau der Deponie zu erörtern.

Den kompletten Bericht inklusive der Reaktionen der Bürgerinitiative und der politischen Parteien lesen Sie in EUWID Recycling und Entsorgung 27/2021. Für Kunden unseres Premium-Angebots steht die Ausgabe bereits als E-Paper zur Verfügung:

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