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DIN-Standard für recyceltes Plastik schließt Lücke in der Normung

Hans-Josef Endres
Prof. Hans-Josef Endres vom Institut für Kunststoff
- und Kreislauftechnik (IKK) der Universität Hannover.
27.04.2021 − 

Für die Bewertung von Kunststoff-Rezyklaten soll es bald eine neue Norm geben. Seit Sommer 2020 laufen die Arbeiten an der DIN SPEC 91446 – Klassifizierung von KunststoffRezyklaten durch Datenqualitätslevels für die Verwendung und den (internetbasierten) Handel. Initiiert von der Online-Plattform Cirplus arbeitet ein Konsortium aus Wirtschaft und Forschung unter Konsortialleitung von Professor Hans-Josef Endres vom Institut für Kunststoff- und Kreislauftechnik (IKK) der Universität Hannover an dem Projekt. EUWID sprach mit Prof. Endres über die Normungsarbeiten.

Herr Professor Endres, die neue DIN SPEC 91446 soll künftig einheitliche Standards für die Einstufung von Qualitäten für Rezyklate sowie die Kennzeichnung von Rezyklatanteilen und der Handhabung von Rezyklaten beschreiben. Was war der Anstoß für das Projekt?

Zur Förderung der Kreislaufwirtschaft werden zunehmend politische und gesetzliche Vorgaben für Recyclingquoten im Kunststoffbereich gemacht. Dafür sind jedoch klare und einheitlich verwendete Begrifflichkeiten und Vorgaben zur nachvollziehbaren Bewertung der Rezyklate unabdingbar. Ein Beispiel: Die sogenannte europäische "Kunststoffsteuer" hängt direkt von der Recyclingquote im Verpackungsbereich ab. Wie aber wird diese Recyclingquote überhaupt berechnet? Welche Angaben zu den Inputströmen sind etwa erforderlich, welche Inputströme im Postconsumer- und Postindustrial-Bereich sind für die Berechnung der Recyclingquote zulässig oder wie werden die Rezyklatanteile im Endprodukt richtig berechnet?

Zudem muss die Qualität der Rezyklate für deren Nutzung als Werkstoff und den Handel als "Wertstoff" bekannt sein. Die bisherige Normungssituation dazu ist noch sehr unbefriedigend. Es gibt bisher nur für die Kunststoffe PE, PP, PS, PET und PVC erste Normen, diese sind jedoch materialspezifisch und sehr lückenhaft.

Die DIN SPEC soll genau diese Lücken schließen und als frei zugängliche Basis für die Nutzung und den Handel mit Rezyklaten dienen.

Mehrere Arbeitsgruppen betreuen verschiedene Teilbereiche. Welche Unternehmen aus welchen Branchen sind beteiligt?

Zum Konsortium gehören 16 Akteure entlang der gesamten Recycling-Wertschöpfungskette oder besser des Recycling-Wertschöpfungskreislaufes, angefangen bei den Herstellern von Sortiersystemen (Steinert und Tomra) und Abfallverwertern (Der Grüne Punkt und Remondis) über Recycler (MKV und MRS) und Kunststoffverarbeiter (greiner packaging und Polyfilm) bis hin zu Verbänden (BDE und VDMA) und Forschungseinrichtungen (IKK - Universität Hannover, IKV - RWTH Aachen, Kunststoff-Institut Lüdenscheid und SKZ) sowie Handelsplattformen für Kunststoff-Rezyklate (Cirplus und Polymore - KraussMaffei).

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Wenn die Norm veröffentlicht wird, ist sie dann ein Cirplus- oder ein IKK-Standard oder können alle Online-Handelsplattformen diese DIN SPEC verwenden?

Die DIN SPEC ist am Ende als kostenloser Download frei verfügbar. Damit kann und soll sie idealerweise von allen, also nicht nur von Handelsplattformen, sondern auch von Anwendern, Verarbeitern, Recyclern oder Entsorgern sowie der Forschung und Politik verwendet werden.

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Das vollständige Interview mit Hans-Josef Endres lesen Sie in Ausgabe 17/2021 von EUWID Recycling und Entsorgung. Für Kunden unseres Premium-Angebots steht die Ausgabe bereits als E-Paper zur Verfügung:

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