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Stahlschrottmarkt beschließt das Coronajahr 2020 mit beispielloser Preisrallye


Reges Exportgeschäft treibt Stahlschrottpreis
im Dezember deutlich nach oben.
18.12.2020 − 

„Verrückt“, „Irrsinn“, „ein Witz“ – waren nur einige Ausdrücke, mit der der Handel im Gespräch mit EUWID die jüngste Preisentwicklung auf dem deutschen Stahlschrottmarkt zu umschreiben versuchte. Dass die Preise zum Jahresende nochmals steigen, ist nicht unüblich. Die Preisrallye, die der Markt im Dezember hinlegte, war in vieler Hinsicht aber beispiellos. „Durchgedreht ist die Untertreibung des Jahres“, fasste ein Gesprächspartner den Preisschub in Deutschland zusammen, der mit Blick auf die Entwicklung des Exportpreises dem internationalen Marktgeschehen aber noch deutlich hinterher hinkt.

So ist der Exportpreis für die Sorte HMS 1/2 (80:20) seit Mitte November um rund 120 US-Dollar pro Tonne auf fast 440 Dollar CFR gestiegen. „Die Türkei braucht und kauft gigantische Mengen Schrott, teilweise schon bis Lieferung im Februar“, berichtet ein Händler. Wie bereits in den Vormonaten profitiert das Land am Bosporus vor allem vom Wirtschaftsboom in China. Der Stahlverbrauch in der Volksrepublik ist so hoch, dass sich der Türkei hier und in anderen Teilen Asiens, in die China aufgrund des hohen Eigenbedarfs kaum mehr exportiert, sehr gute Absatzmöglichkeiten bei stark steigenden Stahlpreisen bieten. Hinzu kommt, dass eine gigantische Geldmenge im Umlauf ist und die Spekulation auch im Rohstoffsektor anheizt, was sich auch an den stark steigenden Metallpreisen etwa für Kupfer und Nickel zeigt.

Hohe Nachfrage nach Stahl und Schrott trifft auf knappes Angebot

Der Stahlbedarf der stahlverarbeitenden Industrien, insbesondere der Automobilindustrie, hat aufgrund einer geringen Bevorratung und gleichzeitig wieder stark verbesserten Auftragslage zuletzt deutlich zugenommen. Dies erhöht den Schrottbedarf der Stahlwerke, die ihrerseits in den coronabedingt auftragsarmen Sommermonaten darauf bedacht waren, ihre Lagerbestände mit Blick auf ihr Betriebskapital so niedrig wie möglich zu halten. „Man kriegt den Schrott aus den Händen gerissen“, berichtet ein Händler.

Die Schrottnachfrage trifft aber auf ein vergleichsweise knappes Schrottangebot. Zum einen falle witterungsbedingt weniger Alt- und Abbruchschrott an. Zum anderen sei auch das Mengenaufkommen an den Entfallstellen erst mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung angesprungen und bewege sich trotz der wieder verbesserten Auftragslage in der Automobilindustrie und auch beim Maschinenbau weiter unter dem Vorjahresniveau.

Den vollständigen Bericht zum deutschen Stahlschrottmarkt inklusive der Preisangaben lesen Sie in EUWID Recycling und Entsorgung 52/2020. Für Kunden unseres Premium-Angebots stehen der Bericht sowie die Preistabelle schon jetzt online zur Verfügung:

EUWID Preisspiegel Stahlschrott Deutschland

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