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Klärschlammentsorgung: "Brutaler Wandel eines Marktes"

Faultürme mit Klärschlamm im Hafen.
Der Entsorgungsmarkt für Klärschlamm ist vom
Transformationsprozess gekennzeichnet.
25.05.2021 − 

Der Entsorgungsmarkt für Klärschlamm in Deutschland ist nach wie vor vom Transformationsprozess und einer daraus resultierenden Unsicherheit der Marktteilnehmer gekennzeichnet. Anders als vor zwei bis drei Jahren sind es nicht mehr die Kläranlagenbetreiber, die über Entsorgungsengpässe klagen. Vielmehr sind es Entsorger und Anlagenbetreiber, die wegen der vielen unbekannten Variablen zunehmend nervös werden.

"Wir erleben den brutalen Wandel eines Marktes", sagte ein Marktteilnehmer im Gespräch mit EUWID. Vor allem kleinere Entsorger werden im Poker um Kontingente und Preise zunehmend aus dem Markt gedrängt, vermuten einige Gesprächspartner.

Entsorgungsengpass nach Ausbruch der Pandemie

Im vergangenen Jahr war die Situation in Folge des ersten Lockdowns noch etwas enger. Mit dem pandemiebedingten Herunterfahren der wirtschaftlichen Tätigkeit sank die Stromnachfrage. Da erneuerbare Energien vorrangig ins Netz eingespeist wurden, hatten insbesondere Kohlekraftwerke das Nachsehen.

Da die Mitverbrennungskapazität der Kohlekraftwerke an die Energieerzeugung gekoppelt ist, konnten die Kraftwerksbetreiber weniger Klärschlamm durchsetzen. Zeitweise haben die Kraftwerksbetreiber nur rund die Hälfte der normalen Klärschlammmenge annehmen können. Dass es nicht wieder zu katastrophalen Zuständen an den Kläranlagen kam, war vor allem den inzwischen errichteten Zwischenlagerkapazitäten geschuldet.

Mitverbrennung in Kohlekraftwerken und Landwirtschaft entspannen den Markt

Nach dem ersten Lockdown versuchten sich die Kraftwerksbetreiber in Schadensbegrenzung, dennoch sank im Jahresmittel die in Kohlekraftwerken mitverbrannte Menge um rund 20 Prozent, bestätigen Betreiber. Noch heute sind Marktteilnehmer damit beschäftigt, die damals zwischengelagerten Klärschlämme zu entsorgen. "70 bis 80 Prozent dürften inzwischen abgebaut sein", hieß es aus dem Markt.

Während die Kraftwerksbetreiber mit ihrer Verantwortung hinsichtlich der Entsorgungssicherheit für Klärschlamm in weiten Teilen des Landes argumentieren, interpretieren andere Marktteilnehmer das Verhalten der Mitverbrenner anders. "Nach dem beschlossenen Kohleausstieg fahren die ihre Anlagen auf Verschleiß", sagte ein Klärschlammentsorger. "Die holen jetzt aus den Anlagen raus was noch geht", sagte ein anderer. "Wer aktuell in die Kohle fahren kann, hat es gut", kommentierte ein süddeutscher Marktteilnehmer.

Doch nicht nur die Mitverbrennung sorgt für einen besseren Abfluss des Klärschlamms. Auch die stoffliche Klärschlammverwertung erlebt aktuell ein Revival: Neue Flächen für die landwirtschaftliche Verwertung seien geschaffen worden, bestätigen verschiedene Marktteilnehmer, was unter anderem mit dem hohen Preisniveau der vergangenen Jahre zusammenhänge. Da viele Klärschlämme insbesondere aus den ländlichen Regionen weiterhin landwirtschaftlich verwertet werden dürfen, wird diese Option von manchem Kläranlagenbetreiber gerne genutzt.

Den vollständigen Marktbericht zum Entsorgungsmarkt für Klärschlamm lesen Sie in Ausgabe 21/2021 von EUWID Recycling und Entsorgung. Für unsere Premium-Abonnenten steht der Marktbericht ab sofort online zur Verfügung:

Entsorgungsmarkt für Klärschlamm

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