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Coronakrise: Müllverbrenner befürchten deutlichen Rückgang der AzV-Mengen


Weniger Gewerbemüll, dafür
temporär mehr Hausmüll in den MVA.
07.04.2020 − 

Betreiber von Müllverbrennungsanlagen und Entsorger in Deutschland rechnen mit einem deutlichen Rückgang der Abfälle zur Verwertung (AzV) aus dem gewerblichen Bereich. Das sagten Marktteilnehmer in einer kleinen Umfrage von EUWID. Manch ein Akteur erwartet in Folge der Coronakrise einen Einbruch der Gewerbeabfälle um rund 50 Prozent.

Regional soll das Gewerbeabfallaufkommen ganz unterschiedlich sein. Aus manchen Regionen hieß es, das Aufkommen sei rückläufig, aber es werde immer noch ausreichend geliefert. Vielerorts gibt es aus der vergangenen Hausse noch Ballen in Zwischenlagern, die den Markt noch eine gewisse Zeit stützen können.

Doch andere spüren die mit dem Coronavirus über Deutschland hereingebrochene Depression bereits jetzt. Die AzV-Mengen aus dem Gewerbe seien in der vergangenen Woche regelrecht eingebrochen. „Inzwischen rufen die gewerblichen Lieferanten reihenweise an, um uns mitzuteilen, dass sie ihren Lieferverpflichtungen nicht nachkommen können“, sagten mehrere Anlagenbetreiber. „Höhere Gewalt“ oder „Wegfall der Geschäftsgrundlage“ würden als Gründe angeführt.

Anlagenbetreiber wollen Preiskampf vermeiden

In keinem Fall wollen sich die MVA-Betreiber auf einen Preiskampf einlassen. „Ich werde nicht versuchen, über den Preis Abfall zu akquirieren, den es nicht gibt“, sagte ein Betreiber. Mehrere Anlagenbetreiber bestätigten, über Schließungen von einzelnen Linien oder auch ganzen Anlagen nachzudenken, um ein Abrutschen der AzV-Preise zu verhindern.

Hausmüllaufkommen steigt deutlich – zumindest aktuell

Demgegenüber sei das Hausmüllaufkommen im März deutlich gestiegen. Manch ein Entsorger berichtet von bis zu 15 Prozent mehr Hausmüll im März als im Februar. Da der plötzliche Shutdown in der Coronakrise in etwa zur Mitte des Monats kam, rechnen manche im Markt in den kommenden Wochen mit einem Anstieg der Hausmüllmengen um bis zu 30 Prozent.

Doch ob das anhält, angesichts der existenzbedrohenden Lage vieler Menschen in Folge von Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit wird von Manchem bezweifelt. Ein Anlagenbetreiber aus dem süddeutschen Raum rechnet mit einem deutlichen Rückgang der Hausmüllmengen um bis zu 20 Prozent, sollte die Rezession tiefer gehen und die Wertschöpfungsketten länger brauchen, um wieder in Gang zu kommen.

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