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Altpapierpreise steigen in Deutschland bei Massensorten im April stark an


Altpapier ist plötzlich ein rares und stark nachgefragtes Gut.
17.04.2020 − 

Aufgrund der knapper werdenden Mengenversorgung im Zuge der Coronakrise sind die Altpapierpreise in Deutschland in den vergangenen Wochen sprunghaft gestiegen. Bei den Massensorten sollen die Preise im April um 30 bis 50 € nach oben gegangen sein, berichten verschiedene Marktteilnehmer.

Im März war die Lage auf dem deutschen Altpapiermarkt hingegen noch überwiegend stabil. Die Preise der unteren Sorten blieben in den meisten Fällen das erste Mal seit langer Zeit konstant, nur gelegentlich soll es noch zu weiteren leichten Abschlägen gekommen sein. Gegen Ende des Monats setzte dann eine verstärkte Nachfrage der Papierfabriken ein, als sich erste Anzeichen einer schwächeren Mengenversorgung offenbarten. Die Preise am Spotmarkt sollen da bereits um fünf bis zehn € gestiegen sein.

Zumindest bei den Massensorten wurde das seit Jahresbeginn angehäufte Minus wahrscheinlich schon im April mehr als ausgeglichen. Die Preise sollen innerhalb kurzer Zeit extrem gestiegen sein, heißt es aus dem Markt. Das Plus fiel dabei bei Kaufhausaltpapier wohl noch etwas stärker aus als bei Mischpapier und den Wellpappe-Abfällen.

Die Lagerbestände sollen überall rapide abgebaut worden sein, nachdem im März vielerorts noch extrem viel Altpapier vorrätig war. Einige Marktteilnehmer berichten dabei von panikartigen Hamsterkäufen der Fabriken. Von „Hype“ und „völlig überzogenen Reaktionen“ der Industrie war die Rede.

Weniger Altpapier aus Industrie und Import, stabile Mengen in der Haushaltssammlung

Ausgelöst wurde die abrupte Trendwende am Altpapiermarkt durch die Stilllegung vieler Industrieunternehmen und Gewerbebetriebe. Dies führte zu einem deutlichen Einbruch der Anfallmengen aus diesem Bereich. Die meisten Marktteilnehmer schätzen den Mengenrückgang hier auf rund 30 Prozent. Das deutlich höhere Aufkommen bei einigen Discountern konnte das Minus in der Industrie und im restlichen Gewerbebereich nur bedingt ausgleichen.

Rückläufig sollen auch die Altpapierimporte sein. Die Mengen aus dem europäischen Ausland hatten in den vergangenen Monaten für einen starken Mengenüberhang auf dem deutschen Markt gesorgt. Im Zuge der Corona-Pandemie sind die verfügbaren Altpapiermengen jedoch in den meisten Ländern mehr oder weniger stark eingebrochen. So kommen aktuell wohl kaum noch Mengen aus Italien, Frankreich und Polen nach Deutschland. Aus Großbritannien und Skandinavien soll es hingegen noch vereinzelte Lieferungen geben, berichtet ein Entsorger.

Als überwiegend stabil wird die Versorgung mit Altpapier aus der haushaltsnahen Sammlung angesehen. Die kommunale Sammlung werde abgesehen von wenigen Ausnahmen aktuell noch aufrecht erhalten, hieß es aus dem Markt. Teilweise ist hier sogar von gestiegenen Mengen die Rede. Dabei könnte zum Tragen kommen, dass viele Menschen aufgrund von Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen, Home Office sowie geschlossener Kitas und Schulen aktuell mehr Zeit zu Hause verbringen.

Den vollständigen Bericht zum deutschen Altpapiermarkt inklusive der Preisveränderungen der einzelnen Sorten im März, den aktuellen Entwicklungen im April sowie dem Ausblick auf die kommenden Monate lesen Sie in EUWID Recycling und Entsorgung 17/2020. Für Kunden unseres Premium-Angebots stehen die Preisinformationen bereits online zur Verfügung:

Altpapiermarkt Deutschland

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