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Altpapierpreise setzen Berg- und Talfahrt fort


Die steigenden Mengen in der kommunalen Sammlung
werden das Minus im Gewerbe nur bedingt kompensieren
können, befürchten Entsorger.
13.11.2020 − 

Die Preise für die Massensorten haben auf dem deutschen Altpapiermarkt im Oktober erwartungsgemäß nachgegeben. Nach der plötzlichen Verknappung von Mengen Ende August und Anfang September sowie dem damit verbundenen starken Preisanstieg hat sich die Situation auf dem Markt im letzten Monat wieder beruhigt. Angebot und Nachfrage konnten wieder besser in Ausgleich gebracht werden, hieß es.

Die Preise für Kaufhausaltpapier, Mischpapier und Wellpappen-II-Abfälle gaben dadurch jeweils um rund zehn € die Tonne nach. Der starke Preisanstieg vom September konnte damit aber nur teilweise kompensiert werden. Die Nachfrage aus der Industrie wurde weiterhin als gut bezeichnet und auch das Sammelaufkommen soll wieder höher gewesen sein. Bei der Menge habe man aber immer noch nicht das Vorkrisenniveau erreicht, gaben mehrere Gesprächspartner an.

Leichte Preissteigerungen im November erwartet

Nach dem Preisabschlag im Oktober deutet sich für November allerdings bereits wieder ein leichtes Plus bei den Massensorten an. Ursächlich für die saisonal völlig untypische Entwicklung sollen vor allem ein anziehender Export, die generell gute Nachfrage der Industrie vor allem aus dem Verpackungsbereich sowie die neuen Kapazitäten im Osten der Republik sein.

Gleichzeitig wird vereinzelt auch schon wieder von geringeren Mengen in Folge des neuerlichen Lockdowns berichtet. Insgesamt sollen die Lager bei Entsorgern aktuell leergefegt und Spotgeschäfte daher kaum noch möglich sein.

Die Aussichten für das restliche Jahr fallen aufgrund der weiterhin unsicheren Effekte der Corona-Maßnahmen auf die Mengenversorgung gemischt aus. Die Nachfrage aus der Industrie wird grundsätzlich als gut und stabil bezeichnet. Anlagenstillstände seien abgesagt, verkürzt oder vorgezogen worden und viele Fabriken sollen auch über die Feiertage durchproduzieren. Dementsprechend bemühe sich die Papierindustrie um eine gute Versorgung, zumal zum Jahresende auch mit Logistikproblemen gerechnet werden müsse.

Knapper werdende Mengen befürchtet

Der guten Nachfrage stehen aber unterschiedliche Prognosen zur Mengenentwicklung gegenüber. Während einige Marktteilnehmer durch den aktuellen Lockdown schwächere Effekte auf das Sammelaufkommen erwarten als im Frühjahr und aus der Papierindustrie vor Panikmache wegen möglicher Versorgungsprobleme gewarnt wird, werden an anderer Stelle deutliche Einschnitte beim Mengenaufkommen erwartet.

So werde die Sammlung aus einigen Bereichen des Gewerbes und der Industrie, insbesondere in der Gastronomie und dem Veranstaltungssektor, stark abnehmen, befürchten Entsorger. Dieses Minus könne auch nur bedingt durch höhere Verpackungsmengen des Onlinehandels in der kommunalen Sammlung ausgeglichen werden. Da sich die Verknappung im Angebot europaweit zeige und auch weiterhin positive Signale aus dem Export zu vernehmen sind, könnten die Altpapierpreise auch im Dezember entgegen des üblichen saisonalen Trends leicht steigen.

Den kompletten Marktbericht zum deutschen Altpapiermarkt mit aktuellen Einschätzungen und Erwartungen lesen Sie kommende Woche in EUWID Recycling und Entsorgung 47/2020. Für Kunden unseres Premium-Angebots stehen die konkreten Angaben zu den Preisverändungen der einzelnen Altpapiersorten im Oktober bereits online zur Verfügung:

Altpapiermarkt Deutschland

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