Die Preisentwicklung am Altkunststoffmarkt war im Februar typenabhängig uneinheitlich. Marktteilnehmer berichteten häufig von stabilen bis nochmals leicht sinkenden Preisen gegenüber Januar. Einige Recycler warteten mit Aufschlägen, um die zuletzt leicht belebte Nachfrage nicht wieder abzuwürgen.
Vor allem in Europa sei der Markt zwar „nicht mehr im freien Fall“, allerdings fehle weiterhin ein klarer Nachfrageimpuls, hieß es. Viele Recycler arbeiten nach Branchenangaben mit niedriger Anlagenauslastung, während Investitionen in neue Kapazitäten teilweise verschoben werden. Als zentraler Belastungsfaktor gelten weiterhin die vergleichsweise niedrigen Preise für Neuware, die Rezyklate in zahlreichen Anwendungen unter Wettbewerbsdruck setzen.
Für den März zeichnet sich im Markt eine vorsichtige Belebung der Ordertätigkeit ab. Nach Einschätzung mehrerer Anbieter bleibt das Bestellniveau jedoch weiterhin deutlich unter den üblichen saisonalen Erwartungen. Impulse kamen nach dem langen Winter teilweise aus der Bauwirtschaft. Zu LDPE-Folienregranulaten war mitunter zu hören, dass im März leichte Preisanhebungen versucht würden, um wieder die Gewinnzone zu erreichen.
Im Exportgeschäft mit Folienabfällen bleibt die Lage angespannt. Die Türkei ordere zwar weiterhin Material, dennoch berichten Exporteure von anhaltenden Problemen bei der Abnahme, insbesondere aufgrund verzögerter oder unsicherer Zahlungsabwicklungen.
Andere Absatzmärkte böten bislang nur begrenzte Entlastung. Malaysia liege preislich unter dem türkischen Niveau, während Indonesien weiterhin keine neuen Importlizenzen erteilt habe. Mehreren Exporteuren zufolge konnten deshalb einige tausend Tonnen Folienabfälle bislang nicht verschifft werden und sind derzeit bei Händlern oder Aufbereitern zwischengelagert.
Zugleich richtet sich der Blick vieler Marktteilnehmer zunehmend auf die kommenden Änderungen im europäischen Abfallverbringungsrecht. Die neue EU-Abfallverbringungsverordnung sieht vor, dass Exporte von Kunststoffabfällen aus der EU in Nicht-OECD-Staaten ab dem 21. November während mindestens der nächsten zweieinhalb Jahre grundsätzlich untersagt sind. Für Lieferungen in OECD-Länder wie die Türkei wird ab dem 21. Mai das Notifizierungsverfahren gefordert.
Einige Exporteure bereiten sich bereits auf das künftig strengere Verfahren vor und prüfen entsprechende Notifizierungen für einzelne Exportströme, was nach Angaben aus dem Handel mit erheblichem administrativem Aufwand sowie zusätzlichen Kosten verbunden ist. Stimmen aus dem Markt äußern daher Sorgen über mögliche Folgen für den europäischen Altkunststoffhandel und verweisen auf weiterhin begrenzte Recyclingkapazitäten innerhalb Europas.
Parallel dazu richtet sich der Blick zunehmend auf die geopolitische Lage im Nahen Osten. Seit Ende Februar führen Israel und die Vereinigten Staaten militärische Angriffe gegen Ziele im Iran, während Teheran mit Raketen- und Drohnenangriffen auf Israel sowie auf US-Stützpunkte in der Golfregion reagiert. Die Straße von Hormus ist dicht. Als einziger Seeweg für ein Fünftel der weltweiten Ölproduktion führt die Sperrung zu steigenden Energiepreisen und Frachtkosten.
Vor diesem Hintergrund richtet sich der Blick der Marktteilnehmer verstärkt auf Auswirkungen auf die Rohstoff- und Polymermärkte. Europäische Marktteilnehmer berichten von ersten angekündigten Preisanhebungen für Polyolefine, die teilweise im Bereich von 60 bis 200 €/t liegen sollen. Hintergrund sind deutlich steigende Rohstoffkosten – insbesondere bei Naphtha – sowie wachsende Unsicherheiten in den internationalen Lieferketten infolge der militärischen Eskalation in der Region.
In Europa ist der Polymermarkt zudem in erheblichem Umfang von Importen aus der Golfregion abhängig. Im letzten Jahr wurden rund 3,1 Mio. Tonnen Polyethylen und etwa 2,4 Mio. Tonnen Polypropylen aus dem Mittleren Osten nach Europa eingeführt. Einschränkungen im Schiffsverkehr sowie deutlich gestiegene Fracht- und Versicherungskosten könnten diese Lieferströme zumindest vorübergehend verteuern.
Nach Einschätzung von Marktteilnehmern dürfte sich der Effekt zunächst kurzfristig über steigende Preise für Primärkunststoffe bemerkbar machen. Sollten sich die angekündigten Preisforderungen im März zumindest teilweise durchsetzen, könnte sich der Preisabstand zwischen Neuware und Rezyklaten etwas verringern und damit den Absatz von Regranulaten – insbesondere im Polyolefinbereich – stützen. Unklar sei allerdings, wie lange dieser Effekt anhalte, hieß es....




