VOEB warnt vor starkem Anstieg falsch entsorgter Lithiumbatterien

Die Zahl der im Restmüll entsorgten Lithiumbatterien hat in Österreich innerhalb der vergangenen zehn Jahre deutlich zugenommen. Das berichtet der Verband Österreichischer Entsorgungsbetriebe (VOEB) mit Verweis auf die Ergebnisse einer aktuellen Studie der Montanuniversität Leoben. Forscher hätten dabei im Schnitt acht Lithiumbatterien je Tonne Restmüll gefunden. Das entspreche rund 70 Lithiumbatterien pro Sammelfahrzeug mit einer Ladekapazität von etwa 8,5 Tonnen. Insgesamt habe sich die Zahl der Fehlwürfe dadurch innerhalb eines Jahrzehnts vervierfacht. 

Nach Berechnungen der Wissenschaftler landen insgesamt pro Jahr rund 17 Millionen Lithiumbatterien im österreichischen Restmüll. Besonders häufig fanden die Forscher im Restmüll Einweg-E-Zigaretten, Spielzeug, elektrische Zahnbürsten, Akkugeräte sowie kleinere Elektrogeräte mit fest verbauten Akkus.  

Parallel zum Anstieg der Fehlwürfe registriert die Studie auch eine Zunahme von Brandereignissen in der Abfallwirtschaft. Für ihre Untersuchung wertete die Forschergruppe mehr als 1.000 öffentlichkeitswirksame Brände aus den vergangenen 18 Jahren aus. Besonders in den vergangenen zwei Jahren sei die Zahl der Brandereignisse auffällig stark gestiegen. Gleichzeitig würden neue Höchstwerte bei Branddauer, betroffenen Abfallmengen und Schadenssummen erreicht. 

Auch der VOEB sieht die Entwicklung mit Sorge. Nach Angaben des Verbandes wurden allein im vergangenen Jahr 36 größere Brandereignisse in Betrieben der Abfall- und Ressourcenwirtschaft dokumentiert. Verbandspräsidentin Gabriele Jüly bezeichnete falsch entsorgte Lithiumbatterien als „tickende Zeitbombe“ für Beschäftigte, Umwelt, Entsorgungssicherheit und den Fortbestand von Unternehmen. 

Vor diesem Hintergrund erneuert der Verband seine Forderungen nach zusätzlichen Maßnahmen zur Verbesserung der Sammlung. Die Unternehmen hätten zwar erhebliche Investitionen in den Brandschutz getätigt. Dennoch brauche es vor allem finanzielle Anreize, um höhere Rückgabequoten zu erreichen, ist der VOEB überzeugt.

Der Verband setzt sich deshalb für ein Cashback-System ein, bei dem Verbraucher bei der korrekten Rückgabe von Lithiumbatterien unmittelbar Geld zurückerhalten. Gleichzeitig verweist der VOEB auf die europäischen Vorgaben, wonach die Sammelquote für Gerätebatterien bis 2030 auf 73 Prozent steigen muss. Derzeit liege Österreich bei rund 53 Prozent. 

Auch die Autoren der Studie sehen Handlungsbedarf. „Die Ergebnisse zeigen klar, dass die bestehende getrennte Sammlung von Batterien und Elektroaltgeräten derzeit nicht ausreicht, um die steigenden Risiken wirksam zu begrenzen. Ohne zusätzliche Maßnahmen ist aufgrund der weiter steigenden Inverkehrsetzungszahlen von Produkten mit Lithiumbatterien mit einer weiteren Verschärfung der Situation zu rechnen“, erklärt Thomas Nigl von der Montanuniversität.

Die Forscher empfehlen unter anderem die Ausweitung der Getrenntsammlung, verstärkte Informationskampagnen, regulatorische Maßnahmen insbesondere für Einweg-E-Zigaretten, eine stärkere Einbindung der Hersteller sowie eine kontinuierliche Risikoüberwachung. „Lithiumbatterien zählen mittlerweile zu den zentralen Sicherheitsrisiken der österreichischen Abfall- und Kreislaufwirtschaft – mit wachsenden wirtschaftlichen Folgen durch steigende Schäden und Versicherungskosten. Ein koordiniertes Vorgehen von Politik, Herstellern, Sammelsystemen und Abfallwirtschaft ist daher unerlässlich“, so Nigl.

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