Versalis-Demonstrationsanlage für Mischkunststoffe offiziell eröffnet

Die "Hoop"-Pyrolyse-Demonstrationsanlage für gemischte Kunststoffabfälle im norditalienischen Mantua wurde am 19. Juni offiziell eröffnet.
Die "Hoop"-Pyrolyse-Demonstrationsanlage für gemischte Kunststoffabfälle im norditalienischen Mantua wurde am 19. Juni offiziell eröffnet.
Symbolische Eröffnung der "Hoop"-Pyrolyse-Demonstrationsanlage von Versalis in Mantua, Italien: sieben Männer in Business-Anzügen mit weißen Sicherheitshelm halten ein weißes Band bzw. schneiden es durch
Die "Hoop"-Pyrolyse-Demonstrationsanlage für gemischte Kunststoffabfälle im norditalienischen Mantua wurde am 19. Juni offiziell eröffnet.

Das italienische Chemie-Unternehmen Versalis hat vergangene Woche seine Demonstrationsanlage „Hoop“ für das chemische Recycling von Mischkunststoffen an seinem Standort Mantua offiziell eröffnet. Die Anlage zur Validierung des unternehmenseigenen Aufbereitungsverfahrens soll jährlich bis 6.000 Tonnen Inputmaterial behandeln und daraus fast 5.000 Tonnen Pyrolyseöl (Naphta) gewinnen.

In den vergangenen Wochen seien die ersten Produktionstests erfolgreich abgeschlossen worden, berichtet Versalis bei der Eröffnung. Die in der Anlage gewonnenen Rohstoffe seien für die Produktion von Kunststoffen für alle Anwendungsbereiche geeignet, einschließlich Lebensmittel- und pharmazeutischen Verpackungen.

Das Chemieunternehmen, das zum Mineralölkonzern ENI gehört, plant nach eigenen Angaben den Bau einer größeren Pyrolyseanlage mit dem gleichen Verfahren mit einer Kapazität von 40.000 Tonnen an seinem Werk Priolo in Sizilien. Die Machbarkeitsstudie sei bereits abgeschlossen und die Planung für die Einleitung des Genehmigungsverfahrens sei im Gange. Das Projekt sei Bestandteil einer Absichtserklärung über die Transformation des Unternehmens, die im März mit dem italienischen Wirtschaftsministerium (Mimit) unterzeichnet wurde, berichtete Versalis.

Pyrolyseverfahren in Kooperation mit S.R.S. entwickelt

Das Verfahren, das in der Demonstrationsanlage umgesetzt wird, ist den Angaben zufolge aus einem Projekt mit dem italienischen Ingenieurbüro S.R.S. (Servizi di Ricerche e Sviluppo) hervorgegangen. Die innovative Technologie ermögliche eine sehr hohe Ausbeute bei der Materialrückgewinnung und eine hohe Flexibilität in Hinblick auf das Inputmaterial.

„Möglich wird dies durch die Kombination eines Pyrolysereaktors mit hoher thermischer Leistung mit dem Know-how von Versalis in der Messung von Polymereigenschaften und der Optimierung von Produktionsprozessen durch künstliche Intelligenz“, berichtete das Chemieunternehmen. Die Bauarbeiten für die Anlage waren Ende Oktober 2023 angelaufen.

Kreislaufwirtschaft eine der Säulen für Transformation des Unternehmens

Adriano Alfani, CEO von Versalis, unterstrich bei der Eröffnung die Rolle der Kreislaufwirtschaft als einer der Säulen für die Transformation des Unternehmens. „Die Hoop-Anlage ist ein Symbol für diesen Weg: Mit Innovation als Hebel bauen wir unser Geschäftsmodell durch neue industrielle Initiativen um, die auf Kreislaufwirtschaft, Biochemie und Spezialisierung ausgerichtet sind, hin zu mehr Nachhaltigkeit. Dabei verfolgen wir Nachhaltigkeitsziele in allen drei Dimensionen: ökologisch, sozial und wirtschaftlich.“

Das Projekt „SC-HOOP“ („Sustainable Chemical Recycling through HOOP Technology“) zur Realisierung der Demonstrationsanlage wurde vom Innovationsfonds der EU gefördert. Nach Angaben von Versalis war es das einzige italienische Großprojekt unter den 41 Vorhaben, die sich in der Ausschreibung von 2023 unter 239 eingereichten Vorschlägen durchsetzen konnten. Dem Projektdatenblatt des Innovationsfonds zufolge liegt die Fördersumme bei rund 16 Mio €. Über die Gesamtkosten der Demonstrationsanlage machte Versalis keine Angaben.

Produktionsanlage für PS mit Rezyklat aus mechanischem Recycling im März eröffnet

Ende März hatte Versalis die Eröffnung einer Produktionsanlage für Polystyrol mit Rezyklatanteil in Porto Marghera bei Venedig bekannt gegeben. Die Anlage kann den Angaben zufolge jährlich bis zu 20.000 Tonnen kristallklares GPPS und expandiertes Polystyrol (EPS) produzieren, die ganz oder teilweise auf mechanisch recycelten EPS-Abfällen basieren.

Die Produkte aus der Anlage werden den Angaben zufolge als Teil der Revive-Reihe von Versalis vermarktet. Diese Kunststoffe enthalten zwischen 35 und 100 Prozent mechanisch recycelter Post-Consumer-Abfälle. Die Produkte seien in erster Linie für den Verpackungs- und den Bausektor bestimmt, aber auch für Wärmedämmplatten für Gebäude und Schutzverpackungen für Haushaltsgeräte, berichtete das Unternehmen.

Für Versalis ist das Projekt nach eigener Aussage „nicht nur eine konkrete Antwort auf die strukturelle Krise der europäischen Chemieindustrie“, sondern es stärkt auch das Produktportfolio des Unternehmens und verbessert dessen Wettbewerbsfähigkeit. CEO Adriano Alfani kündigte bei der Eröffnung an, in das werkstoffliche Kunststoffrecycling in Porto Marghera weiter zu investieren. Auch das dortige Logistikzentrum soll konsolidiert und verbessert werden. 

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