Umweltverbände beklagen mangelnde Ambition von EU-Kompromiss zu Lebensmittelabfällen

Eine Gruppe von Umweltschutzorganisationen reagiert mit Enttäuschung und großer Besorgnis auf den vorläufigen Kompromiss zur Änderung der EU-Abfallrahmenrichtlinie. „Die europäischen Institutionen und unsere Regierungen haben heute ihre internationalen Verpflichtungen und Versprechen aus der Vergangenheit nicht aufrechterhalten, Lebensmittelabfälle in der gesamten Lieferkette zu halbieren“, kritisierte Fynn Hauschke, zuständig für Kreislaufwirtschaft und Abfall bei der Organisation EEB. Der Mangel an Ambition missachte die dringliche Krise der Lebensmittelverschwendung, verpasse eine wichtige Chance zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen und untergrabe Ernährungssicherheit und die biologische Vielfalt, so Hauschke in einer ersten Reaktion am Mittwoch.

Das EEB gehört neben Zero Waste Europe (ZWE) und den Organisationen Too Good To Go, Feedback EU und Safe Food Advocacy Europe zur „Prevent Waste Coalition“ (PWC) für Lebensmittelabfall. Die Gruppe setzt sich für die Umsetzung des UN-Nachhaltigkeitsziels (SDG) 12.3 ein. Dieses fordert, das weltweite Aufkommen an Nahrungsmittelabfällen auf Einzel-handels- und Verbraucherebene bis 2030 zu halbieren und die entlang der Produktions- und Lieferkette entstehenden Verluste zu verringern.

Martin Bowman von der niederländischen Organisation Feedback wies darauf hin, dass die jetzt vereinbarten Reduzierungsziele deutlich hinter dem UN-Ziel einer Halbierung zurückblieben, was das Scheitern einplane. Er kritisierte auch, dass die EU-Kommission die Debatte von vorneherein auf niedrige Ziele eingegrenzt habe. Sie hatte ein Reduzierungsziel von zehn Prozent für das Aufkommen an Lebensmittelabfällen in Herstellung und Verarbeitung und von 30 Prozent im Einzelhandel, der Gastronomie und Haushalten vorgeschlagen. Diese Vorgaben wurden in den jetzt abgeschlossenen Verhandlungen beibehalten.

30-Prozent-Ziel eine Herausforderung

Als einen positiven Schritt wertet es Bowman allerdings, dass überhaupt rechtlich verbindliche Ziele eingeführt werden. Und da nur noch fünf Jahre bis 2030 verblieben, werde das 30-Prozent-Ziel für Haushalte, Handel und Gastronomie trotzdem für viele Mitgliedstaaten eine Herausforderung sein. Es werde für sie essenziell sein, rasch Aktionspläne zu entwickeln, die über reine freiwillige Maßnahmen der Wirtschaft hinausgehen, um raschere Fortschritte zu ermöglichen, so Bowman.

Ambitioniertere Mitgliedstaaten empfiehlt er, die verbindlichen EU-Ziele als Untergrenze zu betrachten und auf freiwilliger Basis eine Halbierung der Lebensmittelabfälle in allen Sektoren anzustreben. Mit Blick auf die Zukunft sei es essenziell für die EU, Messungen auch auf die Mengen an Nahrungsmitteln auszuweiten, die in landwirtschaftlichen Betrieben nicht geerntet werden, und auch die Primärproduktion in verbindliche Vermeidungsziele einzubeziehen. „Andernfalls besteht das Risiko, dass Lebensmittelabfälle auf Landwirte geschoben werden“, warnte Bowman.

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