Toyota baut seinen Ansatz zur Wiederverwendung und zum Recycling von Altfahrzeugkomponenten in Europa aus. Nach der im Frühjahr 2025 angekündigten ersten „Circular Factory“ im britischen Burnaston ist am polnischen Produktionsstandort des Autokonzerns in Wałbrzych die zweite Anlage dieser Art geplant. Auf rund 25.000 Quadratmetern sollen dort künftig ca. 20.000 End-of-Life-Fahrzeuge pro Jahr verarbeitet werden. Das entspricht rund dem Doppelten der in Burnaston vorgesehenen Anfangskapazität von 10.000 Autos jährlich.
Die Investition, zu deren Höhe Toyota keine Angaben macht, ist dem Unternehmen zufolge ein weiterer Schritt, um ein Kreislaufwirtschaftsmodell nach den Prinzipien „Reduce, Reuse, Recycle“ zu etablieren. Im Mittelpunkt stehe die systematische Demontage von Fahrzeugen: Zum einen mit dem Ziel, einzelne Komponenten zur direkten Wiederverwendung zurückzugewinnen. Teile wie Batterien und Räder sollen auf ihr Potenzial bewertet werden, sie aufzubereiten und in die Zweitnutzung zu bringen. Zum anderen liege der Fokus auf dem Recycling wertvoller Rohstoffe wie Kupfer, Stahl, Aluminium und Kunststoffen, um den Einsatz von Primärmaterialien bei der Produktion neuer Autos zu reduzieren.
Entsprechend ist die „Circular Factory“ als Erweiterung des bestehenden Toyota-Werks in Wałbrzych geplant, an dem bereits Schlüsselkomponenten für hybride und konventionelle Antriebsstränge hergestellt werden. Als Gründe für die Standortwahl nennt Leon van der Merwe, Vice President of Circular Economy bei Toyota Motor Europe, neben der Fertigungsinfrastruktur auch Polens „starkes Marktpotenzial“ für die Beschaffung von Altfahrzeugen sowie die vorhandenen Recyclingketten mit vor- und nachgelagerten Prozessen.
Toyotas Betriebsstätte, die in Niederschlesien nahe der tschechischen Grenze liegt, ist bereits mit der Entsorgungswirtschaft verzahnt: 2008 hatte die Handelssparte Toyota Tsusho in Wałbrzych gemeinsam mit der Scholz AG das Joint Venture „Green Metals Poland“ gegründet, das auf die Sammlung, Verarbeitung und den Verkauf von Metallschrott spezialisiert ist.
Über Polen hinaus stellt van der Merwe weitere Schritte in Aussicht: „In den kommenden Jahren planen wir, ähnliche Investitionen in anderen europäischen Märkten einzuführen.“ Als Blaupause für die Entwicklung der Kreislaufwirtschaftsaktivitäten nennt er die 2025 gestartete „Circular Factory“ in Burnaston. Für diese ist wie berichtet die Rückführung von etwa 120.000 Bauteilen jährlich in den Markt angestrebt sowie das Recycling von rund 300 Tonnen Kunststoff, 8.200 Tonnen Stahl sowie weiteren Metallen.
Toyota Motor Europe steuert als Vertriebsgesellschaft die Verkaufs- und Produktionstätigkeiten des japanischen Konzerns in Europa. Laut eigenen Angaben sind derzeit rund 15,6 Mio. Toyota- und Lexus-Fahrzeuge auf dem Kontinent unterwegs. Allein 2025 seien rund 1,23 Mio. Autos abgesetzt worden, bei einem Marktanteil von 7,2 Prozent. Seit 1990 habe der Konzern insgesamt mehr als zwölf Mrd. € in die europäischen Standorte investiert.




