
Das vor anderthalb Jahren in Paris gegründete Unternehmen Reju hat die Standortwahl für sein erstes industrielles Faser-zu-Faser-Recyclingzentrum bekannt gegeben: Im niederländischen Industriepark Chemelot in Sittard-Geleen soll das „Regeneration Hub One“ entstehen, wie das Unternehmen gestern mitteilte. Damit geht die Tochter des französischen Anlagenbauers Technip Energies kurz nach dem Start eines Frankfurter Pilot-Hubs im Oktober den nächsten Schritt zur Skalierung der PET-Rückgewinnung aus Polyesterstoffen. Die neue Anlage soll pro Jahr 50.000 Tonnen BHET herstellen – ein Zwischenprodukt aus der chemischen Aufspaltung von PET. Dieses könne zu Recycling-Polyester repolymerisiert und anschließend für die Weiterverarbeitung zu Garnen genutzt werden.
Im Vergleich zur herkömmlichen Polyesterproduktion verursache das Verfahren rund 50 Prozent weniger CO₂-Emissionen, und es lassen sich damit laut Reju jedes Jahr etwa 300 Mio Kleidungsstücke recyceln, die sonst als Abfälle entsorgt werden müssten. Die Standortwahl für das geplante Werk in Chemelot begründet Reju mit strategischen Vorteilen wie den schon vorhandenen Infrastrukturen in dem 800 Hektar großen Industriepark, der als Cluster aus Chemieunternehmen, Forschungseinrichtungen und Start-ups beschrieben wird und im Dreiländereck nahe der belgischen und deutschen Grenze liegt.
„Chemelot bietet das ideale Umfeld, um unsere Technologie im industriellen Maßstab weiterzuentwickeln und in ein starkes Netzwerk von Industriepartnern zu integrieren, die sich ebenfalls der Kreislaufwirtschaft verschrieben haben“, kommentiert Patrik Frisk, CEO von Reju. „Hier wollen wir beweisen, dass textile Kreislaufwirtschaft in großem Maßstab möglich ist.“ Die finale Investitionsentscheidung für die Anlage müsse vom Vorstand der Muttergesellschaft Technip Energies noch getroffen werden.
Unterstützung erhält das Vorhaben von der niederländischen Regierung: „Mit Rejus Ansiedelung in Chemelot feiern wir eine Premiere: Die erste industrielle Anlage in den Niederlanden, in der Alttextilien in hochwertiges Rohmaterial für neue und sogar bessere Textilien umgewandelt werden“, sagt Sophie Hermans, Ministerin für Klima und grünes Wachstum. „Das ist genau die Art von neuer Industrie, die wir fördern wollen.“
Zuletzt hatte Reju wie berichtet mehrere Kooperationen geschlossen, um Input-Material zu beschaffen: unter anderem mit der niederländischen Cibutex-Genossenschaft, die gewerbliche Alttextilien sammelt und sortiert. Ein weiterer Lieferant ist Nouvelles Fibres Textiles (NFT), ein Unternehmen, das in Frankreich eine Großanlage zur automatisierten Textilsortierung und Heraustrennung von Störelementen wie Knöpfen und Reißverschlüssen betreibt.



