Suez beteiligt sich an Renault-Recyclingtochter TFIN

Der französische Umweltdienstleister Suez erwirbt einen 20-Prozent-Anteil an der Tochtergesellschaft The Future is Neutral (TFIN) des Autoherstellers Renault. Der Autokonzern wird damit künftig noch 80 Prozent seines Ablegers halten, wie die beiden Transaktionspartner Anfang Oktober mitteilten. Über den Kaufpreis für die Suez-Beteiligung machten sie dabei keine Angaben.

TFIN wurde im Oktober 2022 von Renault gegründet, um Aktivitäten in den Bereichen Wiederverwendung und Recycling von Fahrzeugen und Komponenten sowie entsprechende Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten zu bündeln.

Suez berichtete, dass TFIN durch die Transaktion 140 Mio € von seinen beiden Gesellschaftern erhalte, um seine Aktivitäten zu beschleunigen und auszubauen, „und dies zugunsten der gesamten europäischen Automobilindustrie“. Vor dem Vollzug der Transaktion müssten noch die erforderlichen behördlichen Genehmigungen vorliegen, so der Konzern weiter. In Deutschland hat das Bundeskartellamt Ende September die Freigabe für den Erwerb eines „wettbewerblich erheblichen Einflusses“ von Suez über The Future is Neutral erteilt.

Der französischen Wettbewerbsbehörde liegt außerdem seit Anfang September die vollständige Übernahme des Altauto-Verwerternetzes Indra durch Renault vor, das bislang als 50/50 Joint Venture mit Suez geführt wurde. Im August hatte der Autohersteller von der Wettbewerbsdirektion der EU-Kommission grünes Licht für eine Beteiligung an den geplanten Recyclinganlagen von Suez und dem Metallkonzern Eramet für Batterien aus Elektrofahrzeugen in Dunkerque erhalten.

Bündelung der Kompetenzen

Mit dem Einstieg von Suez in das Kapital von The Future is Neutral wollen Renault und der Umweltdienstleister die Kreislaufwirtschaft im Automobilsektor vorantreiben, unter anderem durch Design for Recycling, Rückführungslogistik und geschlossene Werkstoffkreisläufe. Renault bringt dabei eigenen Angaben zufolge seine vollständige Abdeckung der Wertschöpfungskette von Konzeption über Nutzung bis Entsorgung ein, seine Expertise bei der Entwicklung umweltgerechter Fahrzeuge und die industriellen Kapazitäten des „Refactory“-Standorts in Flins.

Am Werk in der Nähe von Paris werden seit 2020 Aktivitäten im Bereich Kreislaufwirtschaft angesiedelt, darunter das Remanufacturing von gebrauchten Komponenten und die Aufarbeitung von Industrierobotern. Die Produktion neuer Fahrzeuge wurde dort Ende März 2024 eingestellt.

Suez trägt nach eigener Aussage seine Expertise in der Altfahrzeugverwertung bei, die vom vorgelagerten Bereich der Hersteller und Zulieferer bis zum nachgelagerten Bereich der Stahlwerke und Gießereien reiche. Ebenso bietet der Umweltkonzern sein Fachwissen bei der Entsorgung von Abfällen aus dem Autosektor von der Sammlung über die Sortierung bis zum Recycling, und seine Aufbereitungskapazitäten, die es ermöglichten, in industriellem Maßstab homogene Ströme recycelter Rohstoffen für die Kunden zu produzieren.

Zugang zu recycelten Rohstoffen

Mit der Investition in TFIN stärkt Suez nach Aussage von CEO Sabrina Soussan seine Kapazität, die Autoindustrie bei ihrer ökologischen Transformation zu begleiten. „Die Sicherung der Versorgung mit Sekundärrohstoffen wird eine der wichtigsten Herausforderungen für den Automobilsektor in den kommenden Jahren sein. Unsere Expertise im Bereich Abfallrecycling und -verwertung wird es uns ermöglichen, den Wandel der Branche hin zu mehr Kreislaufwirtschaft zu unterstützen und ihre Abhängigkeit von Primärrohstoffen zu verringern“, sagte Soussan.

Renault-Konzernchef Luca de Meo bezeichnete den Einstieg von Suez in TFIN als weiteren Beleg für die Richtigkeit dieses Modells. „Unsere gemeinsame Investition wird es uns ermöglichen, schneller auf unser Ziel zuzuschreiten: eine offene Plattform für die Kreislaufwirtschaft bereitzustellen, die den Bedürfnissen der gesamten Automobilbranche in Wachstumsbereichen entspricht. Wir tun dies, indem wir bereits bestehende Aktivitäten stärken und neue Lösungen für das Recycling im geschlossenen Kreislauf vom Auto zum Auto schaffen“, so de Meo.

Auch Jean-Philippe Bahuaud, der Generaldirektor von TFIN, begrüßte den Einstieg von Suez und bezeichnete ihn als „entscheidende Etappe beim Projekt der Öffnung für die gesamte Automobilindustrie“. Er bekräftigte die Wachstumspläne des Unternehmens und wies darauf hin, dass viele der Aktivitäten von TFIN, die eine Wertschöpfungskette für geschlossene Kreisläufe im Autosektor bildeten, bereits in Betrieb und profitabel seien. „Wir arbeiten daran, in Kürze dort auch das Recycling von Batterien in einem geschlossenen Kreislauf zu integrieren und das Ganze in den industriellen Maßstab zu überführen, um die europäische Automobilindustrie bei ihrer Transformation zur Kreislaufwirtschaft zu unterstützen“, erklärte Bahuaud weiter.

- Anzeige -

Themen des Artikels
Kategorie des Artikels
- Anzeige -