
Am Dienstag hat das Gerichtsverfahren um einen der größten Umweltskandale in der Geschichte Schwedens vor dem Attunda Bezirksgericht nahe Stockholm begonnen. Das berichteten schwedische Medien übereinstimmend. Den Hauptangeklagten wird laut Staatsanwaltschaft unter anderem vorgeworfen, über Jahre hinweg Tausende Tonnen unsortierten Müll illegal an verschiedenen Orten des Landes gelagert, vergraben oder als Füllmaterial verwendet zu haben.
Insgesamt müssen sich elf Menschen wegen Umweltkriminalität im Tatzeitraum zwischen 2015 und 2020 verantworten. Sie sollen unter dem Deckmantel des schwedischen Unternehmens NMT Think Pink Bezahlung für die Entsorgung von teils gefährlichen Bauabfällen entgegengenommen haben. Der Müll soll dann aber ohne Genehmigung und ohne ausreichende Schutzmaßnahmen an insgesamt 21 Orten in Schweden abgeladen worden sein. Laut Angaben der Staatsanwaltschaft wurden gefälschte Dokumente verwendet, um die Behörden zu täuschen. Das berichtete der öffentlich-rechtliche TV-Sender Sveriges Television (SVT) und bezifferte die Gesamtmenge des illegal abgelagerten Abfalls auf mehr als 200.000 Tonnen.
Gemeinden und Privatpersonen haben Schadensersatzansprüche für ihre Reinigungs- und Sanierungskosten geltend gemacht, die sich laut SVT auf insgesamt 260 Mio schwedische Kronen (ca. 23 Mio €) belaufen. Eine der Kommunen mit den umfangreichsten Forderungen in Höhe von ca. 125 Mio Kronen ist Botkyrka bei Stockholm. Dort mussten insgesamt 100.000 Tonnen Abfall von Think Pink bewältigt werden, nachdem es in den Jahren 2020 und 2021 zu monatelangen Bränden auf zwei betroffenen Müllhalden gekommen war.
„Queen of trash“ und andere Angeklagte streiten Schuld ab
Eine der Hauptpersonen in dem Fall ist die ehemalige Geschäftsführerin des Entsorgungsunternehmens, Fariba Vancor – besser bekannt unter ihrem vorherigen Namen Bella Nilsson. Mit ihrem Unternehmen Think Pink, dessen Markenzeichen pinkfarbene Müllsäcke und Big Bags waren und das mittlerweile in Konkurs gegangen ist, gewann sie 2018 einen angesehenen Wirtschaftspreis. Vancor, die sich in ihren Jahren als Unternehmerin selbst als „Queen of trash“ bezeichnete, war in den 1990er-Jahren in Schweden als Stripperin bekanntgeworden. Ebenfalls vor Gericht steht ihr früherer Ehemann Thomas Nilsson, der vor 2015 CEO der Firma Think Pink war.
Alle Angeklagten streiten ihre Schuld ab, berichtete die schwedische Nachrichtenagentur TT. Das Verfahren soll voraussichtlich bis Mai 2025 laufen. (dpa/ eigener Bericht)



