Das britische Unternehmen Circle-8 Textile Ecosystems hat den Kauf einer vollautomatischen Textilsortieranlage vom dänischen Technologieanbieter Newretex bekanntgegeben. Mit einer Jahreskapazität von 25.000 Tonnen soll die KI-gestützte Anlage den ersten eigenständigen Baustein eines geplanten Netzwerks von Sortier- und Vorbehandlungszentren im Vereinigten Königreich bilden. Ziel ist es, nicht wiederverwendbare Altkleider im industriellen Maßstab als Recycling-Input bereitzustellen – um damit eine Basis für den Aufbau entsprechender Infrastrukturen zur stofflichen Verwertung zu schaffen.
Jedes Jahr fallen laut Circle-8 in Großbritannien mehr als 700.000 Tonnen Alttextilien an, die sich nicht mehr zur Zweitnutzung eignen. Davon werde derzeit weniger als ein Prozent zu neuen Fasern verarbeitet. Der überwiegende Teil lande auf Deponien oder in der Verbrennung – ein massiver Verlust wertvoller Ressourcen. Als kritischer Engpass auf dem Weg zu einem industriellen Faser-zu-Faser-Recycling gilt die Sortierung: Denn manuelle Verfahren stoßen bei größeren Stoffmengen schnell an ihre Kapazitätsgrenzen, liefern aber bislang oft die höhere Trennschärfe bei komplexen Material- und Qualitätsmerkmalen.
Genau hier setzt die Technologie von Newretex an: Wie berichtet, betreibt das Unternehmen seit Oktober 2023 in Dänemark eine eigene KI-basierte Anlage, die mithilfe von Nah-Infrarot-Sensorik, Kameras und maschinellem Lernen Altkleider präzise nach Qualität, Materialzusammensetzung, Farbe und Gegenständen mit harten Teilen wie Knöpfen und Reißverschlüssen klassifiziert. Zusätzlich ermögliche die Software eine lückenlose Datenerfassung – inklusive Gewicht und Größe jedes einzelnen Textilstücks. Diese Informationen fließen laut Newretex nahtlos zwischen Vorsortier-, Ballenpress- und Recyclingunternehmen und gewährleisten eine vollständige Rückverfolgbarkeit von der Sammlung bis zum recycelten Erzeugnis. Zuletzt erklärte das Unternehmen, offen für Kooperationen zu sein, um seine Technologie auch außerhalb des eigenen Betriebs zu lizenzieren und zu vertreiben.
„Wir sind sehr beeindruckt von dem Ansatz, den Newretex bei der Entwicklung dieser automatischen Textilsortierlinie verfolgt hat“, kommentierte Cyndi Rhoades, Mitgründerin und CEO von Circle-8. Dieser Fortschritt markiere den Übergang von manuellen zu industriellen Verfahren. Zwar arbeitet das britische Unternehmen selbst an der Konzeption entsprechender Lösungen, setzt aber mit der Investition in das einsträngige Newretex-System, das sämtliche Prozessschritte auf einer Linie integriert, auf ein externes, bereits erprobtes Modell.
„Mit Newretex als starkem Partner an seiner Seite errichtet Circle-8 ein Netzwerk automatisierter Sortier- und Vorbehandlungsanlagen“, heißt es in einer aktuellen Pressemitteilung des dänischen Unternehmens. Unterstützung für die Etablierung einer landesweiten Infrastruktur komme vom staatlichen Förderprogramm „ACT UK“ („Automatic-sorting for Circularity and Textiles“), das den Bau und Praxistest einer Pilotanlage mit vier Mio Pfund unterstützt – als „Blaupause“ für eine standardisierte Umsetzung im Vereinigten Königreich. Circle-8 sei der Hauptempfänger von Fördermitteln.
Als übergeordnetes Ziel nennt Circle-8 die „Implementierung von industriellen Polymerrecyclinganlagen für Textilien“. Die erste Inbetriebnahme sei für 2028 geplant. Chemisches und mechanisches Recycling erfordern eine stabile Versorgungsbasis – das bedeutet konkret: „enorme Mengen an sortiertem, konsistentem und preiswertem Ausgangsmaterial“, heißt es auf der Firmen-Homepage.
Newretex hebt sich laut eigenen Angaben durch die Skalierbarkeit seiner Technologie von Wettbewerbern ab. Aktuell verarbeitet die Pilotanlage in der dänischen Stadt Bjerringbro rund 200 Tonnen Textilabfälle pro Monat. 2025 soll die Kapazität auf 40.000 Jahrestonnen steigen.




