Müllkatastrophe auf dem Balkan: Rund 10.000 Kubikmeter Abfall im Fluss Drina

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In Bosnien ereignet sich derzeit eine Umweltkatastrophe. Der Fluss Drina entspringt in Montenegro und schlängelt sich über hunderte Kilometer an der Grenze zwischen Serbien und Bosnien entlang. Zurzeit ist die Naturidylle allerdings bedroht. Tausende Tonnen Müll treiben auf dem Gewässer und verschmutzen den See und verseuchen Ufer und Wasser.

Um die Kleinstadt Visegrad an der serbischen Grenze wurden Schätzungen der Umweltorganisation Eko Centar Visegrad zufolge 10.000 Kubikmeter Müll angeschwemmt, berichtete das ZDF Anfang der Woche. Der Abfall komme von Müllkippen, welche ohne ausreichenden Sicherheitsmaßnahmen entlang des Flusses angelegt wurden. Bei Starkregen gebe es dort Überschwemmungen und der Unrat werde losgespült und gelange über die Abhänge in den Fluss. Der Müll staut sich inzwischen vor einem Wasserkraftwerk, so das ZDF. Dort bildeten sich regelrechte „Müllinseln“ im Wasser. Seit Jahren kämpft Eko Centar Visegrad für eine Sanierung der Mülldeponien und um Strafen für Umweltsünder.

Schwere Folgen für Fischerei und Tourismusbranche befürchtet

Des Weiteren sorgt sich die Umweltschutzorganisation um die Folgen für Tier und Mensch. „Wir essen viel Fisch aus der Drina, die für ihren Fischreichtum bekannt ist. Damit nehmen wir aber auch viel Mikroplastik zu uns. Die Mülldeponien brennen ständig – das ist ein Verschmutzungskreislauf. All das kommt dann in die Luft, die wir wieder einatmen“, betonte Dejan Furtula von Eko Centar gegenüber dem ZDF.

Die Anwohner scheinen sich allerdings vorerst keine großen Sorgen um etwaige Gesundheitsschädigungen oder den Verzehr verseuchter Fische zu machen. Besorgniserregend wirken daher die Aussagen eines Bewohners von Visegrad. „Ja, wir essen ihn. Das, was auf der Oberfläche schwimmt, ist nicht so schädlich. Man findet mal einige Dosen Farbe oder Verdünner, aber das sind kleine Mengen in so viel Wasser.“ Erst wenn tote Fische an der Oberfläche treiben würden, sei das ein Warnsignal. „Wenn das Wasser stark verschmutzt wäre, würden die Fische auch vergiftet sein“, ergänzte der Bewohner.

Auch der Tourismus könnte in den an das Gewässer angrenzenden Regionen leiden. Die Natur am Fluss gilt als Paradies und gehört zu den touristischen Attraktionen in Serbien und Bosnien.

Deutsches Start-up hilft bei Entsorgung

Über 1.600 Kilometer vom Ort des Geschehens entfernt hat das Aachener Start-up Everwave seinen Sitz. Das Unternehmen hat sich nun der Entsorgung des Mülls in der Drina angenommen. Diesen möchten die Jungunternehmer mit dem speziell konstruierten Müllsammelschiff „Collectix“ einlesen, berichtete der Bayerische Rundfunk (BR). Das Boot verfüge über ein ausfahrbares Förderband und könne dadurch rund drei Tonnen Müll auf die Ladefläche hieven. Zehn Tonnen Unrat pro Tag sollen damit aus dem Fluss gefischt werden, ergänzte der BR. Außerdem könnten Sensoren die Abfallart bestimmen und somit wichtige Daten gewinnen. Die schiere Menge an Müll überraschte allerdings auch das Start-up.

„Was hier drinnen ist, ist einfach unglaublich. Alles was man sich vorstellen kann, wie gesagt: Kühlschränke, Autoreifen, Plastikflaschen, Plastiktüten. So unglaublich große Mengen an Müll an einem Ort gesammelt haben wir tatsächlich noch nie gesehen“, schilderte Everwave-Geschäftsführer Clemens Feigl.

Jährliches Phänomen aufgrund von schlechter Umweltpolitik

Die „Müllkatastrophe“ in der Drina ist nicht auf ein einmaliges Ereignis zurückzuführen, sondern hat in Bosnien fast schon „Tradition“. Es sind die Folgen einer schlechten Umwelt- und Entsorgungspolitik im ehemaligen Jugoslawien.

Es gibt kaum Fortschritte beim Aufbau einer umweltverträglichen Müllentsorgung, obwohl die EU-Kandidaten bereits einige Gesetze und Vorschriften der Europäischen Union übernommen haben, erläuterte das ZDF. Täler und Hügel sind mit nicht genehmigten Müllhalden übersät, Abfall liegt auf den Straßen. An den Bäumen hängen Plastikbeutel. Mancher Abfall landet direkt in den Flüssen, ergänzte die öffentlich-rechtliche Anstalt. Die städtische Müllkippe sei zudem laut Aktivist Furtula bereits mit den Abfällen aus Visegrad, unter 10.000 Einwohnern, überfordert. Ständig gebe es Brände auf den Arealen.

Bosnien ist zudem als Müllsünder bekannt. Pro Kopf sind laut Zahlen aus dem Jahr 2020 rund acht Kilogramm Müll aus Bosnien und Herzegowina jährlich im Mittelmeer gelandet und das obwohl der Balkanstaat nur ein paar Kilometer Küste hat.

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