Millionenstrafe für Shein in Italien wegen irreführender Umwelt- und Recyclingversprechen

Die italienische Wettbewerbsbehörde (AGCM) hat gegen den asiatischen Online-Händler Shein eine Geldstrafe in Höhe von einer Mio € wegen „Greenwashing“ verhängt. Dem Unternehmen, das für sein schnelles Wachstum im Bereich „Ultra Fast Fashion“ zu besonders niedrigen Preisen bekannt ist, wurde vorgeworfen, Kunden über die ökologische Wirkung seiner Produkte zu täuschen. Dabei stand auch die vermeintliche Recyclingfähigkeit bestimmter Textilien im Fokus.

Konkret ging die AGCM gegen das Unternehmen Infinite Styles Services vor, das für die Verwaltung der Shein-Verkaufswebsites in Europa zuständig ist. Bei der Werbung für Kleidung seien irreführende oder unvollständige Umweltbotschaften („Green Claims“) verwendet worden. Die Angaben zu Sheins Kreislaufkonzept und zur Recyclingfähigkeit seiner Produkte auf der italienischen Online-Plattform und anderen Informationskanälen befand die ACGM als „falsch oder zumindest verwirrend“. Dies teilte die Behörde am Montag mit.

Insbesondere bei Kleidungsstücken einer als nachhaltig beworbenen Kollektion sei die Verwendung „grüner“ Fasern hervorgehoben worden, ohne wesentliche Umweltvorteile klar zu benennen und ohne Hinweis darauf, dass die entsprechenden Produkte nur einen marginalen Anteil am Gesamtangebot ausmachen. Die Regulierungsbehörde erklärte, dass Sheins Kommunikationsstrategie den Kunden zudem suggerieren könnte, die Kollektion bestehe vollständig aus ressourcenschonenden und recycelbaren Materialien – „was angesichts der verwendeten Fasern und der derzeitigen Recyclingsysteme nicht der Realität entspricht“. 

Shein unterliege jedoch einer erhöhten Sorgfaltspflicht gegenüber Verbrauchern, da das Unternehmen dem Sektor der sogenannten Wegwerfmode mit besonders umweltschädlichen Geschäftspraktiken angehöre, betonte die ACGM. Dies habe die Gesamtbewertung beeinflusst. Eine Rolle spielten dabei auch die vage formulierten Klimaziele von Shein mit dem Versprechen, Treibhausgasemissionen zu reduzieren, was aber durch einen tatsächlichen Anstieg in den vergangenen zwei Jahren konterkariert worden sei.

Gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters gab Shein eine Stellungnahme zu den Vorwürfen ab: „Wir haben unsere internen Überprüfungsprozesse verstärkt und unsere Website verbessert, um sicherzustellen, dass alle Umweltaussagen klar, verifizierbar und konform mit den Vorschriften sind.“ 

Für das 2008 in China gegründete, weltweit tätige Fast-Fashion-Portal handelt es sich bereits um die zweite finanzielle Sanktion einer europäischen Regulierungsbehörde innerhalb weniger Wochen. Anfang Juli hatte die französische Generaldirektion für Wettbewerb, Verbraucherschutz und Betrugsbekämpfung das Unternehmen mit einer Strafe von 40 Mio € belegt. Dabei ging es vor allem um Verstöße gegen gesetzliche Rabattregeln – Kritik an irreführender Umweltkommunikation kam ergänzend zur Sprache. 

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