Mehr Chancengleichheit für Rezyklate: Österreich setzt auf Kreislaufwirtschaft

Die österreichische Abfall- und Ressourcenwirtschaft steht vor einer neuen Ära: Die neue Regierung hat im aktuellen Regierungsprogramm mehrere Maßnahmen beschlossen, die darauf abzielen, die Wettbewerbsbedingungen für Sekundärrohstoffe zu verbessern und so die Zirkularität der heimischen Wirtschaft zu steigern. In einem gemeinsamen Vorstoß bekräftigte Österreichs Umweltminister Norbert Totschnig (ÖVP) beim diesjährigen Treffen des VOEB in Steyr, dass die Wettbewerbsnachteile für Rezyklate gegenüber primären Rohstoffen abgeschafft werden sollen.

„Unser Ziel ist es, die Diskriminierung von recycelten Materialien zu beenden und die Kreislaufwirtschaft weiter zu stärken“, erklärte Totschnig. Durch die Schaffung fairer Wettbewerbsbedingungen sollen Sekundärrohstoffe konkurrenzfähig gemacht werden, was nicht nur die Abfallwirtschaft, sondern auch den Wirtschaftsstandort Österreich stärken dürfte.

Wettbewerbshürden für Rezyklate abbauen

Im Zentrum der geplanten Maßnahmen steht die Abschaffung von administrativen Hürden beim Transport von Altstoffen und Rezyklaten sowie eine Reform veralteter Gesetze und Vorschriften, die zirkuläre Geschäftsmodelle behindern. Dazu gehört auch eine Vereinfachung der Vorschriften für die Abfallverbringung und die Schaffung eines europaweit effizienten Marktes für Sekundärrohstoffe. Diese Reformen sollen nicht nur die Abhängigkeit von Rohstoffimporten verringern, sondern auch den nationalen Markt für Recyclingmaterialien stärken.

„Wir müssen die Weichen stellen, um Sekundärrohstoffe im internationalen Wettbewerb besser zu positionieren. Nur so können wir langfristig Ressourcen schonen und CO2-Emissionen verringern“, betonte der Minister.

Nachhaltigkeit als Grundlage für Wettbewerbsfähigkeit

Christoph Badelt, Präsident des Fiskalrats, wies darauf hin, dass eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft auch ein wesentlicher Faktor für langfristiges Wirtschaftswachstum sei. „Die Reduzierung des materiellen Fußabdrucks und der Ressourceneinsatz sind entscheidend für die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit und den Wohlstand der Bevölkerung“, sagte Badelt. In diesem Zusammenhang sei eine effiziente Kreislaufwirtschaft nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch ein wichtiger Beitrag zur Lösung der aktuellen finanzpolitischen Herausforderungen.

Kreislaufwirtschaft als Motor für Innovation und Wachstum

Mit rund 20 Mio Tonnen Sekundärrohstoffen, die jährlich verwertet werden, trägt die österreichische Abfall- und Ressourcenwirtschaft erheblich zum Erfolg der Kreislaufwirtschaft bei. Im Jahr 2024 verzeichnete die Branche eine Wirtschaftsleistung von knapp 20 Mrd €. „Unsere Unternehmen sind im EU-Vergleich Recycling-Vorreiter und werden auch in Zukunft eine zentrale Rolle im internationalen Markt für Sekundärrohstoffe spielen“, sagte Gabriele Jüly, Präsidentin des Verbandes Österreichischer Entsorgungsbetriebe (VOEB).

Aktuell ist der Anteil an Sekundärrohstoffen bei der inländischen Rohstoffentnahme mit 16 Prozent noch relativ gering. Laut Prof. Roland Pomberger, Leiter des Lehrstuhls für Abfallwirtschaft an der Montanuniversität Leoben, liegt das Potenzial jedoch deutlich höher. „Wir müssen die administrativen und rechtlichen Hürden abbauen, die die Kreislaufführung von Sekundärrohstoffen noch behindern“, forderte Pomberger.    

- Anzeige -

Themen des Artikels
Kategorie des Artikels
- Anzeige -