Krise: Kunststoffrecycler in Italien schalten Anlagen aus

Die italienische Vereinigung der Kunststoffrecycler und -regeneratoren Assorimap hat am 11. November den sofortigen Stopp der Recyclinganlagen ihrer Mitgliedsunternehmen angekündigt. Der Verband, der nach eigenen Angaben rund 90 Prozent der privaten Kunststoffrecyclingbranche in Italien repräsentiert, begründet den Schritt mit einer dramatischen wirtschaftlichen Entwicklung.

Die Unternehmen seien nicht länger in der Lage, mit Verlust zu arbeiten. Der Umsatz sei seit 2022 um rund 30 Prozent gesunken, das Betriebsergebnis nach Verbandsangaben von etwa 150 Mio. € im Jahr 2021 auf rund sieben Mio. € im Jahr 2023 eingebrochen. Zusätzlich klagt Assorimap über massiv gestiegene Energie- und Betriebskosten, die im europäischen Vergleich zu den höchsten zählen sollen, sowie über wachsenden Wettbewerbsdruck durch Importe von Neu- und Rezyklatmaterialien aus Ländern außerhalb der EU zu deutlich niedrigeren Preisen.

Assorimap betont, dass die Branche seit Monaten vergeblich auf politische Unterstützung wartet. "Wir stehen vor einem nationalen Notstand, mit dem wir nicht allein umgehen können", so Verbandspräsident Walter Regis. Gespräche mit dem Umweltministerium am 8. Oktober und dem Industrieministerium am 23. Oktober seien ohne konkrete Maßnahmen geblieben. Durch den Stopp der Recyclinganlagen droht laut Verband eine Überlastung der gesamten Wertschöpfungskette: Sortier- und Sammelsysteme hätten bereits jetzt Probleme mit knappen Lagerkapazitäten, was kurzfristig zu einem systemischen Stillstand der getrennten Kunststoffsammlung führen könne. 

Der Verband fordert die Regierung auf, kurzfristig wirtschaftliche Überbrückungsmaßnahmen zu ergreifen und strukturelle Eingriffe vorzunehmen. Dazu zählt Assorimap unter anderem die Vorverlegung verbindlicher Rezyklateinsatzquoten auf spätestens 2027, die Anerkennung von CO₂-Gutschriften für Sekundärrohstoffe, die Ausweitung von Weißzertifikaten sowie strengere Kontrollen und Sanktionen gegen Kunststoffimporte, die aus Sicht der Branche für Wettbewerbsverzerrungen sorgen. Ohne schnelle staatliche Unterstützung besteht die Gefahr, dass die Recyclingwirtschaft in Italien an Kapazität verliert und rohstoffintensive Industrien wieder stärker auf Primärkunststoffe angewiesen sein werden – entgegen den Zielen der europäischen Kreislaufwirtschaftspolitik. Die Rettung der italienischen mechanischen Recyclingkette sei für die ökologische Transformation und die strategische Autonomie des Landes unerlässlich.

Für die europäische Branche hat die Entwicklung Signalwirkung. Italien gilt als ein bedeutender Markt für Sekundärrohstoffe, und Engpässe bei der Verarbeitung könnten Auswirkungen auf grenzüberschreitende Lieferketten haben.

 

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