Cyclic Materials, ein kanadischer Recycling-Spezialist für Seltene Erden, hat einen weiteren namhaften Unterstützer aus der Automobilindustrie gewonnen: Jaguar Land Rover steigt über seine Investmentgesellschaft Inmotion Ventures mit zwei Mio US-Dollar in das Unternehmen ein. Dadurch erhöht sich das Volumen einer aktuellen Finanzierungsrunde auf 55 Mio Dollar. An dieser hatten sich im September 2024 unter anderem BMW, Hitachi und Microsoft beteiligt. Mit den Mitteln will Cyclic Materials seine Geschäftstätigkeiten in Nordamerika und Europa ausbauen, seine Recyclingtechnologien weiterentwickeln und seine Verarbeitungskapazitäten skalieren.
Angestrebtes Ziel des 2021 gegründeten Unternehmens ist die Etablierung eines geschlossenen Kreislaufs für Seltene Erden. Diese Rohstoffe sind für die Produktion von Permanentmagneten in Elektrogeräten und -motoren, Windturbinen sowie anderen High-Tech-Anwendungen unverzichtbar. Trotz ihrer strategischen Bedeutung werde jedoch derzeit weniger als ein Prozent der global genutzten Seltenen Erden recycelt, da die Heraustrennung aus Altprodukten schwierig sei, erklärt Cyclic Materials. Das will das Unternehmen ändern – zumal es bis 2030 mit einer Verdreifachung des Weltmarktes für Permanentmagnete rechnet.
„Cyclic Materials ist führend bei der Schaffung einer nachhaltigen Lieferkette für Seltene Erden und kritische Materialien“, sagte Mike Smeed, Managing Director bei Inmotion Ventures, über die Investitionsentscheidung. Ahmad Ghahreman, Mitgründer und CEO von Cyclic Materials, kommentierte: „Wir fühlen uns geehrt, einen der aktivsten Unternehmensfonds Großbritanniens an unserer Seite zu haben.“ Insbesondere für die Automobilindustrie sieht sich der Recycler als wichtigen Partner beim Übergang in eine „sauberere und widerstandsfähigere Zukunft“. Zu den frühen Anteilseignern zählt seit einer ersten Finanzierungsrunde im April 2023 BMW über seine Investmentgesellschaft BMW i Ventures. Damals kamen insgesamt 27 Mio Dollar zusammen.
Im Dezember desselben Jahres gab Cyclic Materials die Eröffnung seiner ersten Pilotanlage im kanadischen Kingston bekannt, in der es die firmeneigene Technologie zur Isolierung von Magneten aus Altprodukten auf nahezu kommerzielle Größe skalieren konnte. Im Juni 2024 folgte eine weitere kommerzielle Demonstrationsanlage für die zweite Recycling-Stufe: ein hydrometallurgisches Verfahren, bei dem gemischte Seltenerdoxide zur Produktion neuer Magnete entstehen sowie Nickel- und Kobalthydroxide, die beispielsweise in die Batteriefertigung fließen können. „Dies ist ein entscheidender Schritt zum Aufbau einer heimischen Versorgungskette für recycelte Magnetmaterialien in Nordamerika und zum Ausbau unseres Netzwerks von Anlagen zum Sammeln und Recyceln von Produkten, die Seltenerdmagnete enthalten“, sagte Ghahreman damals.
Bei der anschließenden Finanzierungsrunde im September zahlten Arctern Ventures, der Climate Tech Fund von BDC, Hitachi Ventures, Zero Infinity Partners, Climate Investment, der Climate Innovation Fund von Microsoft, Fifth Wall, BMW i Ventures, Energy Impact Partners und Planetary Technologies insgesamt 53 Mio Dollar in die Wachstumspläne von Cyclic Materials ein. Weitere 3,6 Mio Dollar kamen als Zuschuss von der kanadischen Regierung hinzu, so dass sich das Eigenkapital des Recyclers mit den neuesten Geldern von Jaguar Land Rover auf über 85 Mio Dollar summiert.
Strategische Partnerschaften mit Glencore, Solvay, Synetiq und Vacuumschmelze
Darüber hinaus hat Cyclic Materials 2024 auch strategische Kooperationen mit europäischen Partnern geschlossen, wie aus früheren Pressemeldungen hervorgeht. Erst im Dezember unterzeichnete der kanadische Recycler einen mehrjährigen Abnahmevertrag für zurückgewonnenes Kupfer aus E-Schrott mit dem Schweizer Rohstoffkonzern Glencore, der das Metall zu Kupferkathoden weiterverarbeiten will. Eine weitere Liefervereinbarung besteht mit dem belgischen Chemieunternehmen Solvay: An dessen französisches Werk in La Rochelle sollen recycelte Seltenerdmischoxide gehen. Das unterstütze Solvays Vorhaben, Kunden aus den Bereichen E-Mobilität, Windenergie und Elektronik ab 2025 mit nachhaltigen Magnetmaterialien zu versorgen.
In Großbritannien wiederum kooperiert Cyclic Materials mit dem Fahrzeugverwerter Synetiq, um Seltenerdmetalle aus Elektromotoren zu extrahieren. Und auch der deutsche Hersteller von Magnetwerkstoffen Vacuumschmelze zählt seit letztem Jahr zum Netzwerk von Cyclic Materials. Gemeinsam wollen die beiden Unternehmen daran arbeiten, die Kreislaufwirtschaft für Seltene Erden zu optimieren. Vacuumschmelze plane den Bau eines neuen Werks in den USA und werde künftig Nebenprodukte aus der Magnetfertigung als „lokale Rohstoffquellen“ für das Recycling durch den nordamerikanischen Partner bereitstellen.




