Ikea testet Online-Marktplatz für gebrauchte Waren

Der schwedische Möbelkonzern Ikea hat für Oslo und Madrid probeweise einen Online-Secondhand-Shop eröffnet und will sich als Wettbewerber zu etablierten digitalen Plattformen wie Ebay, Gumtree oder Finn positionieren. Mit „Ikea Preowned“ startet das Unternehmen einen eigenen Wiederverkaufsmarkt, der den direkten Handel mit gebrauchten Ikea-Produkten zwischen Kunden ermöglicht. Die Testphase in den Hauptstädten Spaniens und Norwegens werde bis Jahresende laufen, sagte Jesper Brodin, CEO der Ingka Group, die weltweit die meisten Ikea-Filialen betreibt, gegenüber der „Financial Times“. Sollte das Geschäftsmodell Erfolg haben, ist dessen weltweite Einführung das erklärte Ziel.

Mit diesem neuen Konzept geht Ikea deutlich über sein bisheriges Angebot hinaus, bei dem das Unternehmen gebrauchte Möbel selbst annimmt und in den Filialen weiterverkauft. Allein im vergangenen Jahr haben rund 211.000 Kunden den „Buyback & Resell Service“ in 28 Märkten genutzt und 430.000 Artikel – fast doppelt so viele wie 2022 – erhielten dadurch ein zweites Leben, heißt es im Nachhaltigkeitsbericht des Konzerns für 2023. Diese Dynamik soll nun mit der Digitalisierung des Secondhand-Handels ausgebaut werden. Brodin betont in der „Financial Times“ die Bedeutung dieses Schritts: „Es ist schon seit einiger Zeit ein Traum. Wir sind an einem Punkt angelangt, an dem wir fortschrittlichere und coolere Dinge tun können.“

Bei „Ikea Preowned“ stellen Verkäufer ihre nicht mehr benötigte Einrichtungsgegenstände mit eigenen Fotos und Preisvorschlag ein. Mithilfe von Ikeas KI-gestützter Datenbank wird die Anzeige um Werbebilder, Maße und weitere relevante Informationen ergänzt. Gekaufte Ware wird direkt beim Anbieter abgeholt. Zum Test-Start am Montag seien in Madrid bereits über 450 Artikel auf der Plattform gelistet gewesen.

„Gebrauchtmöbel-Markt besteht zu zehn Prozent aus Ikea-Produkten“

„Der weltweite Markt für Möbel aus zweiter Hand wächst schnell, mit einer prognostizierten Wachstumsrate von 6,4 Prozent im Jahr 2024“, wird Brodin in einer aktuellen Pressemeldung der Ingka Group zitiert. „Schon heute besteht der Gebrauchtmöbel-Markt zu zehn Prozent aus Ikea-Produkten“. Eine eigene Plattform soll daher gezielt in Konkurrenz zu Ebay, Gumtree oder auch den norwegischen Kleinanzeigendienst Finn treten, der allein in Oslo derzeit um die 8.700 Artikel von Ikea listet. Man werde die wirtschaftlichen Aspekte des Vorhabens prüfen, teilte der Ingka-Chef der „Financial Times“ mit und zeigte sich zuversichtlich, dass dieses ökonomisch tragfähig ist. Außerdem biete sich dadurch auch eine Möglichkeit, mit Kunden, die das Angebot nutzen, wieder in Kontakt zu treten.

Ambitionierte Kreislaufziele bis 2030

Nicht zuletzt passt die Idee der Secondhand-Plattform auch zum Anspruch des Konzerns, „bis 2030 ein Kreislaufunternehmen zu werden“. Im Nachhaltigkeitsreport werden diesbezüglich ehrgeizige Ziele genannt: So sollen künftig alle Waren von Beginn an so konzipiert werden, dass sie wiederverwendet, repariert, aufbereitet und schließlich recycelt werden können. Ein „Circular Product Design Guide“ mit konkreten Kriterien diene dabei als Leitfaden – auch zur Bewertung des Sortiments, um bestehende Artikel gegebenenfalls zu überarbeiten. Aktuell wirbt das Unternehmen damit, dass seine Möbel und Accessoires zu 56 Prozent aus erneuerbaren Materialien bestehen und rund 17 Prozent recyceltes Material enthalten.

Außerdem hat Ikea dem Report zufolge seit 2021 den Anteil an Plastikverpackungen um fast die Hälfte reduziert und plant bis 2028 den Ausstieg aus Einwegplastik in Verpackungen für Konsumgüter. In den Ikea-Produktionsstätten werde darüber hinaus systematisch am Abfallmanagement gearbeitet: In neun von 21 Fabriken habe man im vergangenen Jahr das Ziel erreicht, keine Abfälle an Deponien zu schicken.

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