
Der Schweizer Anlagenbauer Hitachi Zosen Inova (HZI) hat Bau und Inbetriebnahme einer neuen Abfallverbrennungsanlage nahe der südenglischen Stadt Slough abgeschlossen und sie vergangene Woche offiziell an ihre Eigentümer übergeben. Diese sind der britische Energieversorger SSE plc und ein Fonds des Finanzinvestors Copenhagen Infrastructure Partners (CIP).
Die Anlage werde nun unter Führung des Teams von HZI in den Vollbetrieb gehen, teilte das Schweizer Unternehmen Anfang vergangener Woche mit. HZI war im vergangenen Jahr mit Betrieb und Wartung der MVA über einen Zeitraum von 25 Jahren beauftragt worden. Der Bauauftrag war im April 2020 an HZI erteilt worden, der Baubeginn erfolgte, nachdem im Dezember des gleichen Jahres die Finanzierungsverhandlungen abgeschlossen wurden.
Sowohl die Kosten für das Projekt „Slough Multifuel“ als auch die Bauzeit lagen unter Plan, wobei der Bau unter „herausfordernden Marktbedingungen“ stattgefunden habe, hob CIP in einer eigenen Mitteilung hervor. HZI wies seinerseits auf die schwierigen Rahmenbedingungen aufgrund des beengten Baugrundstücks in einem belebten Gewerbepark hin. Dies habe eine „Just-in-Time“-Belieferung erforderlich gemacht. Entsprechend erfülle der erfolgreiche und vorzeitige Abschluss des Baus der Slough Multifuel-Anlage das Unternehmen „mit großem Stolz“, sagte Daniel Dreier, Executive Vice President Waste to X & Renewable Gas Plants von HZI.
480.000 Tonnen Behandlungskapazität
Die neue Anlage hat zwei Linien und ist auf die Behandlung von bis zu 480.000 Tonnen Abfall jährlich ausgelegt. Dabei wird es sich laut einer früheren Mitteilung von HZI um Restmüll aus Haushalten und Gewerbe im Großraum London handeln. „Slough Multifuel hat mehrere mittel- und langfristige Liefervereinbarungen für Brennstoffe abgeschlossen, die stabile Einnahmeströme garantieren“, teilte CIP mit.
Die MVA erzeugt nach Angaben von HZI etwa 55 MW Elektrizität und bis zu 95 MW thermische Energie pro Linie. Der Strom werde in das öffentliche Netz eingespeist, der erzeugte Niederdruckdampf werde an eine benachbarte Fabrik für Süßwaren im Gewerbegebiet von Slough geliefert, berichtete HZI.
Für den Schweizer Anlagenbauer war dies das dritte Projekt mit SSE als Auftraggeber. Das Unternehmen errichtete bereits 2015 das Ersatzbrennstoffkraftwerk Ferrybridge I in der nordenglischen Grafschaft Yorkshire. 2019 folgte dessen Schwesteranlage Ferrybridge II.
CIP investiert nach eigener Aussage seit 2013 in den britischen thermischen Energiesektor und hat seine 50-Prozent-Beteiligung an dem Projekt Slough Multifuel im April 2020 von SSE erworben. Der Investor hat außerdem nach eigenen Angaben vier Biomasseprojekte umgesetzt, die sich jetzt in Betrieb befinden.
CIP auch an MVA Lostock beteiligt
Des Weiteren errichtet CIP gemeinsam mit dem Entsorgungsunternehmen FCC im Nordwesten Englands eine Müllverbrennungsanlage in Lostock in der Grafschaft Cheshire, die eine Kapazität von 600.000 Tonnen pro Jahr haben wird. Dieses Projekt wird seit Anfang 2023 vom Baukonzern Black & Veatch mit Unterstützung des Technikanbieters Babcock & Wilcox (B&W) umgesetzt. Der frühere Generalunternehmer, das französische Unternehmen CNIM, hatte 2022 Insolvenz anmelden müssen, nachdem zuvor sein Baupartner Clugston in Konkurs gegangen war.
Black & Veatch bezifferte das Investitionsvolumen für das Projekt in Lostock bei Erhalt des Auftrags auf 480 Mio £, was aktuell umgerechnet rund 570 Mio € entspricht. Der Betriebsstart der Anlage wurde damals für 2025 erwartet. FCC wird dann für den Betrieb der MVA und ihre Versorgung mit Abfall verantwortlich sein.



