Der finnische Energieversorger Fortum hat bekannt gegeben, dass er seine Recycling- und Abfallsparte großenteils an die schwedische Investmentfirma Summa Equity über deren Portfoliounternehmen NG Group veräußert. Der Gesamtverkaufspreis beläuft sich auf rund 800 Mio €. Fortum erwartet einen steuerbefreiten Kapitalgewinn von ca. 110 Mio €, basierend auf dem Bilanzwert zum Zeitpunkt der Vertragsunterzeichnung am vergangenen Donnerstag. Abgeschlossen wird die Transaktion voraussichtlich im vierten Quartal.
Fortums Entscheidung über den Verkauf ist das Ergebnis einer strategischen Prüfung des Unternehmensbereichs „Circular Solutions“, die wie berichtet im August letzten Jahres begonnen hat. Der Konzern begründet den jetzt erfolgten Schritt mit seiner Ausrichtung auf das Kerngeschäft: Der Fokus liege darauf, sauberen Strom zu erzeugen und die Industrien in den nordischen Ländern zu dekarboniseren, die Elektrifizierung voranzutreiben und das Unternehmen auf künftiges Wachstum vorzubereiten, erklärte CEO und Präsident Markus Rauramo. Die „Circular Solutions“ würden nicht zum Kern der Strategie gehören.
Die zu veräußernden Geschäfte umfassen die Entsorgung von Siedlungs- und Industrieabfällen sowie die End-to-End-Behandlung und das Recycling von Kunststoffen, Metallen, Asche, Schlacke und gefährlichen Abfällen. Sie sind in Finnland, Schweden, Dänemark und Norwegen angesiedelt, beschäftigen etwa 900 Mitarbeiter und haben in den letzten zwölf Monaten bis zum Ende des ersten Quartals 2024 einen Umsatz von 400 Mio € erwirtschaftet. Das EBITDA belief sich in diesem Zeitraum laut Unternehmensangaben auf 64 Mio € und der Betriebsgewinn auf drei Mio €. Die Investitionsausgaben wurden mit 60 Mio € beziffert und das Nettovermögen betrug 626 Mio €.
Summa Equity will nordischen „Circularity Champion“ schaffen
Summa Equity, der neue Eigentümer, ist ein 2016 in Stockholm gegründeter Impact Investor, der sich auf Ressourceneffizienz, demografischen Wandel und technologiegestützte Transformation konzentriert. Er verfügt über ein verwaltetes Vermögen von rund fünf Mrd € und hat bisher über 30 Plattforminvestitionen in drei Fonds getätigt. Reynir Indahl, Gründer und Managing Partner von Summa Equity, kommentierte die neueste Akquisition: „Durch die Kombination unserer NG Group mit Fortums Recycling- und Abfallgeschäft schaffen wir einen an der EU-Taxonomie ausgerichteten nordischen ‚Circularity Champion‘, der die EU-Ziele der Klimaneutralität und Nullverschmutzung bis 2050 unterstützt.“
Die norwegische NG Group, an der Summa Equity die Mehrheitsbeteiligung hält, kontrolliert eigenen Angaben zufolge einen bedeutenden Teil von Skandinaviens Entsorgungsinfrastruktur: Sie hat über 2.200 Mitarbeiter in sechs europäischen Ländern, darunter Norwegen, Schweden, Dänemark und Finnland, und verfügt über eine jährliche Verarbeitungskapazität von zwei Mio Tonnen Abfall.
Rauramo zeigte sich erfreut darüber, dass ein geeigneter Käufer gefunden wurde, „der gut positioniert ist, um die zukünftigen Wachstumschancen für das Recycling- und Abfallgeschäft weiter zu verbessern“. Denn neben der Energiewende sei die Materialverknappung eine der größten gesellschaftlichen Herausforderungen.
Fortum behält Batterierecycling-Geschäft
Trotz des Verkaufs behält Fortum einige Bereiche seiner „Circular Solutions“, setzt deren strategische Überprüfung jedoch weiter fort. Dazu gehört der Turbinen- und Generatorenservice, das Batterierecycling-Geschäft sowie Beteiligungen an Unternehmen für biobasierte Lösungen sowie an einer britischen Firma für Energiegewinnung aus Abfall. Diese verbleibenden Geschäfte, für die etwa 400 Mitarbeiter tätig sind, haben ein Nettovermögen von 90 Mio € und erwirtschafteten in den zwölf Monaten bis Ende März ein EBITDA von minus 29 Mio €.
Insbesondere das Batterie-Recycling hat Fortum in den letzten Jahren wie berichtet stark vorangebracht: Noch in diesem Jahr soll eine neue Anlage zur Schwarzmasse-Gewinnung aus Altbatterien im thüringischen Artern gebaut werden. Außerdem betreibt Fortum im finnischen Harjavalta seit April 2023 eine der wenigen hydrometallurgischen Anlagen Europas zur Rückgewinnung von wertvollen Metallen aus Schwarzmasse.




