
Ein Konsortium unter Leitung der Non-Profit-Organisation RTDS Group und der österreichischen Lenzing-Gruppe, die auf die Faserherstellung aus Holz spezialisiert ist, hat ein Forschungsprojekt zur Förderung der textilen Kreislaufwirtschaft gestartet. Das mit 6,9 Mio € von der EU kofinanzierte Vorhaben „Cellfil“ zielt darauf ab, die Herstellung von Lyocell-Filamenten – Spezialfasern auf Basis von Zellstoff – für recycelbare Textilprodukte im industriellen Maßstab zu skalieren. Damit soll eine nachhaltigere Alternative zu den derzeit dominierenden synthetischen Fasern aus fossilen Rohstoffen geschaffen werden. Zu den insgesamt 15 Projektpartnern gehören auch die Sportbekleidungsmarke Adidas und der Automobilzulieferer Continental.
Im Mittelpunkt des vierjährigen Projekts Cellfil steht die Weiterentwicklung des Produktionsverfahrens für Lyocell-Filamente und die Anpassung der Verarbeitungsprozesse einschließlich aller Zwischenschritte für verschiedene textile Endanwendungen, teilten RTDS und Lenzing mit. Die von Lenzing entwickelte Lyocell-Technologie ist eigenen Angaben zufolge besonders umweltschonend: Bei der Gewinnung der Cellulosefasern aus Holz werde ein organisches Lösungsmittel verwendet, das in einem geschlossenen Verfahrenskreislauf zu 99 Prozent wiederverwendet werden kann. Die resultierenden Lyocell-Filamente sind biologisch abbaubar, gleichen aber in wichtigen Eigenschaften wie ihrer extremen Länge und einer gleichmäßigen, glatten Struktur den erdölbasierten Kunstfasern, die sie perspektivisch ersetzen sollen.
Lenzing – vor allem bekannt für seine Fasern unter dem Markennamen „Tencel“ – hat bereits mit der Produktion von Garn aus Lyocell-Filamenten begonnen und dieses in kleinen Mengen auf den Markt gebracht. Die Potenziale der Wertschöpfung seien jedoch noch längst nicht erschlossen: „Viele Aspekte, wie die Verfügbarkeit von Lyocell-Filamenten in der Lieferkette und technologische Anpassungen für die Verarbeitung von Cellulosegarnen, müssen angegangen werden, um die Kapazitäten der Textilindustrie, die derzeit eher für Polyester-Filamente geeignet ist, zu verändern“, erklärt Markus Pichler, Produkt- und Prozessentwicklungsexperte bei Lenzing und technischer Koordinator von Cellfil.
Die Forschungsarbeit wird sich auf die Optimierung der Lyocell-Filament- und Garnproduktion konzentrieren, auf die Verfeinerung der Garneigenschaften und der Maschineneinstellungen für die Stoffproduktion sowie die Entwicklung von Endverbrauchertextilien. Außerdem ein wichtiger Punkt: die Schaffung von Rahmenbedingungen für die Marktakzeptanz, um die Produktion hochzuskalieren.
Adidas, Continental und Stofflieferant von Gucci, Prada, Dolce & Gabbana beteiligt

An Cellfil beteiligt sind neben RTDS und Lenzing: Adidas, Continental, der Autoinnenausstatter Martur Fompak International, Heberlein als Technologiespezialist im Textilbereich, der Maschinenbauer Nordfels, der Garnhersteller Filati Poland, der Faserproduzent Orange Fiber, die italienischen Stoffhersteller Ratti Luino und Maglificio Ripa (Lieferant für Marken wie Gucci, Prada, Dolce & Gabbana), der Umweltberatungsdienstleister Quantis sowie die Technische Universität Riga, die Aalto-Universität in Finnland und die Hochschule Niederrhein. Die bewilligten EU-Mittel für das Projekt stammen aus dem Programm „Horizon Europe“.



