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Türkei verbietet Einfuhr von PE-Abfällen

Containerschiff
Die Türkei verbietet die Einfuhr von PE-Abfällen.
19.05.2021 − 

Die türkische Regierung hat die Einfuhr von Kunststoffabfällen des Warencodes 3915.10.00.00.00 verboten. Dabei handelte sich sich in der Regel um Polyethylen-Abfälle aus LDPE und HDPE. Seitens der türkischen Kunststoffindustrie wird das Verbot massiv kritisiert.

Das türkische Handelsministerium hat gestern das Importverbot im Amtsblatt veröffentlicht. Demnach dürfen Kunststoffabfälle auf PE-Basis mit dem Warencode nach einer Übergangsfrist von 45 Tagen nicht mehr in das Land eingeführt werden. Das bedeutet, dass Exporte von Abfällen aus HDPE und LDPE nur noch bis zum 2. Juli in der Türkei angenommen werden können.

Die Türkei war in den letzten Jahren zu einem wichtigen Abnehmer von Kunststoffabfällen aufgestiegen. In den letzten Monaten hatten Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace vor allem Exporte aus Großbritannien und Deutschland und die damit verbundenen rasanten Zuwächse bei den Einfuhren von Kunststoffabfällen im Land kritisiert und ein Exportverbot gefordert. Bereits Ende 2020 hatte die Türkei den Import von gemischten Kunststoffen und Materialien aus der mechanischen Sortierung untersagt. Seit einigen Tagen schlägt zudem der möglicherweise illegale Export von Kunststoffabfällen aus dem dualen System in Deutschland größere Wellen in der Türkei.

Kritik der türkischen Kunststoffindustrie

In der Türkei wird das Importverbot kritisiert. Wie Selçuk Gülsün, Vorsitzender des Verbandes der Kunststoffindustrie (PAGDER), erklärte, sei das Einfuhrverbot ohne Analyse und Diskussionen mit Branchenvertretern umgesetzt worden. Er forderte, das Verbot aufzuheben. Es sollten die Kontrollen zunehmen, nicht die Verbote. Recyclinganlagen müssten sonst schließen oder ins Ausland verlagert werden.
Pagder zufolge wird das Recycling von Kunststoffen rapide zunehmen. Dafür hätten die Unternehmen in der Türkei wichtige Verarbeitungskapazitäten geschaffen. Ein erheblicher Teil der Inputs dieser Unternehmen müsse durch Importe gedeckt werden, da die Sammel- und Sortierinfrastruktur in der Türkei nicht ausreiche.

"Produktionsreste reichen nicht aus"

Der Kunststoffverband bedauerte, dass einige gegen die Gesetze verstoßen und ihre Abfälle am Straßenrand deponieren, anstatt sie zu entsorgen. Deshalb müssten die Kontrollen verschärft werden. Erneut kritisierte der Verband auch das Importverbot von Abfällen aus technischen Kunststoffen als Fehler. "Produktionsreste wie Polyamid und Polycarbonat reichen in unserem Land nicht aus."

Beispielsweise verlange der Automobilsektor die Verwendung von recycelten Rohstoffen in bestimmten Anteilen in Kunststoffteilen von Autos. Durch die Einstellung der Importe von Kunststoffabfall in der Türkei sei mittelfristig auch die Automobilindustrie von der Lieferkette abgeschnitten – mit verheerenden Folgen für die Kunststoffindustrie im Land.

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