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Schweiz: Betrieb von Recyclinganlage für Leuchtreklamen gestartet

Recyclinganlage für Leuchtreklamen
In der Schweiz ist eine Recyclinganlage für
Leuchtreklamen in Betrieb gegangen.
07.01.2022 − 

Das Schweizer Unternehmen Thévenaz-Leduc hat die erste Anlage für integriertes Recycling von quecksilberhaltigen Leuchtmitteln und Flachbildschirmen in Betrieb genommen. Das teilte der Schweizerische Wirtschaftsverband der Informations-, Kommunikations- und Organisationstechnik (Swico) mit.

Das zur Barec-Gruppe gehörende Recyclingunternehmen mit Sitz in Moudon bei Lausanne hat eine Anlage, welche bisher in Kanada und Australien in Betrieb war, gekauft, in der Schweiz aufgebaut, modifiziert und weiterentwickelt. Von der Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt sowie dem Kanton Waadt wurde die Anlage bereits abgenommen und zertifiziert. Laut Angaben von Swico hat die neue Anlage von Thévenaz-Leduc einen Wert von etwa zwei Mio Schweizer Franken, das entspricht rund 1,91 Mio €.

"Grob vereinfacht besteht der erste Teil der Anlage aus einem Shredder in einer Unterdruckkammer. Das Material wird zerkleinert und gesiebt, danach wird die statische Ladung neutralisiert, so dass das Quecksilber abgesaugt und unter anderem durch einen Aktivkohlefilter und einen Hepafilter geführt und gesammelt werden kann", erklärt David Wampfler von Thévenaz-Leduc.

Anlage kann fast 98 Prozent des Quecksilbers abtrennen

Dadurch lassen sich fast 98 Prozent des Quecksilbers abtrennen, so Swico. Dieses wird danach in Fässer abgefüllt und unterirdisch gelagert. Wenn die Schadstoffe eliminiert sind, werden in einem zweiten Schritt Stör- und Wertstoffe aussortiert.

Dazu werden die Fraktionen in einer weiteren, modernen Anlage via Farberkennung, Nahinfrarot und Metalldetektoren in zwei bis vier Durchgängen sortiert. Dabei wird eine stoffliche Verwertungsquote von über 90 Prozent erzielt. Gut 25 Prozent davon entfallen auf gemischte Kunststoffe und rund elf Prozent auf Plexiglas. Der Anteil von Flüssigkristallen und Leiterplatten liegt bei jeweils etwa fünf Prozent.

Höherer Durchsatz und geringere Transportwege

„Manuell kann ein Mitarbeiter in einer Stunde circa 35 Kilogramm zerlegen, wobei dieser flüchtigem Quecksilber- und Leuchtmittelstaub ausgesetzt ist. Maschinell können pro Stunde mit zwei Mitarbeitern 1.000 Kilogramm bearbeitet werden. Die Geräte und einzelnen Bestandteile müssen weniger transportiert werden, was kürzere Transportwege und entsprechend weniger CO2-Ausstoss bedeutet“, fasst Roger Blesi, Geschäftsführer von Thévenaz-Leduc, die Vorzüge der Anlage zusammen.

Das Recycling von quecksilberhaltigen Leuchtstoffreklamen war bisher ein enormes Problem, da die Produkte hauptsächlich von Hand zerlegt werden mussten. Bei der manuellen Zerlegung zerbrechen häufig die Röhren und gesundheitsschädliche Gase und Mittel treten aus, erklärt Swico.

Unterstrichen wurden die Risiken bei 2018 durchgeführten Entfrachtungstests. Diese ergaben, dass im Durchschnitt drei bis 15 Prozent der quecksilberhaltigen Hintergrundbeleuchtungen bei der Demontage bereits zerbrochen ankamen.

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