|  
International» weitere Meldungen

Polen geht gegen Abfallimporte vor

Die polnische Regierung will Abfallimporte stärker kontrollieren, kündigte Premierminister Mateusz Morawiecki an.
Polens Premierminister Mateusz Morawiecki.
(Foto: Krystian Maj / KPRM)
30.05.2018 − 

Die polnische Regierung hat gestern angekündigt, Abfallimporte stärker kontrollieren zu wollen. "Es ist sehr oft der Fall, dass Abfälle zum Recycling importiert werden, aber wir wissen wirklich nicht, was tatsächlich ins Land kommt", sagte der polnische Premierminister Mateusz Morawiecki gestern bei einer Pressekonferenz in Warschau. Morawiecki kündigte an, die Vorschriften ändern, um dem Umweltinspektor mehr Kontrolle über die Importe zu geben.

Hintergrund der Maßnahmen sind laut einem Bericht der polnischen Presseagentur PAP zahlreiche Brände auf Recyclinghöfen in verschiedenen Teilen des Landes. So brannten unter anderem im zentralpolnischen Zgierz und im nordpolnischen Dorf Wszedzien entsprechende Halden. Im südpolnischen Trzebinia ging darüber hinaus ein Reifenlager in Flammen auf.

Polnische Regierung geht von koordinierten Müllbränden aus

PAP zufolge hat es in diesem Jahr bereits 63 Müllbrände in Polen gegeben, darunter 27 größere. Die Nachrichtenagentur beruft sich dabei auf Angaben des polnischen Umweltministeriums. Im vergangenen Jahr habe die staatliche Feuerwehr 37 solcher Ereignisse verzeichnet.

Die Müllhaldenbrände scheinen koordiniert zu sein, sagte der Premierminister gestern nach dem Treffen der Regierung. "Ich möchte Ihnen versichern, dass unsere Dienststellen dieses Thema mit großer Entschlossenheit und Ernsthaftigkeit behandeln werden", so Morawiecki auf der anschließenden Pressekonferenz.

Der Premierminister sagte, er habe den polnischen Umweltminister Henryk Kowalczyk um einen detaillierten Aktionsplan zur Änderung der Rechtsvorschriften gebeten. Davon sollen auch die Regeln für die Einfuhr von Abfällen betroffen sein.

200.000 bis 300.000 Tonnen Abfall aus Deutschland sollen derzeit pro Jahr in Osteuropa verschwinden

Illegale Exporte von Abfällen nach Polen sind in der Branche in Deutschland bereits seit einiger Zeit bekannt. Meist werden Abfallgemische oder rudimentär aufbereitete Abfälle als Kunststoffabfälle deklariert und anschließend über die Grenze gefahren. Aufs Jahr hochgerechnet sollen zeitweise bis zu 500.000 Tonnen Abfall aus Deutschland über die Grenze nach Polen gebracht worden sein, berichteten Marktteilnehmer gegenüber EUWID. In der Branche sollen Fotos dieser Exporte existieren.

In letzter Zeit soll die illegal exportierte Abfallmenge zurückgegangen sein. Entsorger schätzen, dass derzeit aufs Jahr hochgerechnet rund 200.000 bis 300.000 Tonnen Abfall in Osteuropa verschwinden.

Diesen und weitere Artikel lesen Sie in Ausgabe 23/2018 von EUWID Recycling und Entsorgung. Premium-Abonnenten können die Ausgabe auch als E-Paper lesen.

EUWID Recycling und Entsorgung erscheint jeden Mittwoch als Printausgabe. Premium-Abonnenten können die aktuelle Ausgabe bereits ab Dienstag 14.00 Uhr als E-Paper lesen.
 
Unsere Marktberichte stehen unseren Premium-Abonnenten frühzeitig online zur Verfügung.

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an unseren Kundenservice.

Diesem Artikel zugeordnete Schlagworte:

zurück − EU gibt grünes Licht für Attero-Übernahme

"Sie werden uns ansonsten auf ein Minimum reduzieren"  − vor