|  
International» weitere Meldungen

Platzt der Aurubis-Metallo-Deal? EU leitet eingehende Untersuchung ein


Metallo-Werk im belgischen Beerse.
20.11.2019 − 

Die Europäische Kommission hat Bedenken bezüglich der geplanten Übernahme des belgisch-spanischen Recyclers durch den Hamburger Kupferkonzern Aurubis. Gestern kündigte die für die Wettbewerbspolitik zuständige EU-Kommissarin Margrethe Vestager eine eingehende Prüfung nach der europäischen Fusionskontrollverordnung an. Es wird befürchtet, dass die Übernahme den Wettbewerb im Bereich des Ankaufs von Kupferschrott zur Aufbereitung beeinträchtigen wird.

„Die Nachfrage nach Kupfer dürfte steigen, unter anderem aufgrund der wachsenden Bedeutung von Elektroautos. Eine gut funktionierende, wettbewerbsfähige Kupfer-Recycling-Industrie spielt eine zentrale Rolle bei der Deckung des künftigen Bedarfs der europäischen Industrie und der Begrenzung der Umweltauswirkungen. Die Kommission wird den Zusammenschluss von Aurubis und Metallo, den beiden führenden Unternehmen aus dem Bereich der Aufbereitung von Kupferschrott in Europa, sorgfältig prüfen, um sicherzustellen, dass das Rechtsgeschäft keine negativen Auswirkungen auf den Wettbewerb in diesem wichtigen Wirtschaftszweig hat“, begründete Vestager die eingehende Prüfung.

Laut Kommission würden im Falle der Genehmigung des Zusammenschlusses die beiden größten Abnehmer und Aufbereiter von Kupferschrott in Europa zusammengeführt. Das daraus hervorgehende Unternehmen hätte einen sehr großen kumulierten Marktanteil beim Kauf und der Aufbereitung von Kupferschrott. So habe die vorläufige Prüfung ergeben, dass die beiden Unternehmen die engsten Wettbewerber voneinander sind, insbesondere beim Kauf und bei der Aufbereitung von komplexem und zinnhaltigem Kupferschrott. Für Verkäufer dieser Werkstoffe könnten Aurubis und Metallo derzeit die einzigen beiden infrage kommenden Abnehmer sein.

Die Kommission befürchtet, dass Aurubis nach einer Metallo-Übernahme seine größere Nachfragemacht dazu benutzen könnte, niedrigere Preise für den Ankauf von Kupferschrott durchzusetzen. Der Zusammenschluss könnte das reibungslose Funktionieren der Kupferrecyclingbranche beeinträchtigen und die Anreize für Recycler, Kupferschrott zu sammeln und zu sortieren, verringern.

Wie berichtet, hat Aurubis rund 380 Mio € für den Kauf der im Besitz des Fonds TowerBrook Capital Partners befindlichen Metallo Holdings geboten. Die Übernahme begründete Aurubis u.a. mit dem Konzernziel, sich zu einem Multi-Metall-Anbieter weiterentwickeln. So will Aurubis neben dem klassischen Kupfergeschäft das Angebot an weiteren Metallen wie beispielsweise Nickel, Selen oder Tellur ausbauen und die Verkaufsmenge von Nicht-Kupfer-Metallen bis zum Geschäftsjahr 2022/23 verdoppeln. Die Multi-Metall-Strategie wurde ursprünglich begleitet von dem internen Wachstumsprojekt „Future Complex Metallurgy" (FCM). Wegen ausufernder Investitionskosten und Unwirtschaftlichkeit wurde das Projekt im Sommer dieses Jahres aber eingestellt.

Diesem Artikel zugeordnete Schlagworte:

zurück − EU-Kommission genehmigt Rettungskredit für AEB

Käufer gesucht für Recycler Walter Kunststoffe in Wels  − vor