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Müllmafia setzt in Europa bis zu 15 Mrd € um

illegale Deponie
Bis zu 15 Mrd € setzen organisierte Banden in Europa
mit der illegalen Entsorgung von Abfällen um.
06.04.2021 − 

Wäre die Müllmafia ein legal operierender Konzern, wäre sie einer der größten Abfallentsorger in Europa. Nach einem aktuellen Bericht der Europäischen Kommission über die organisierte Kriminalität haben kriminelle Banden mit der illegalen Entsorgung von Abfällen in Europa im Jahr 2019 bis zu 15 Mrd € umgesetzt.

Der Bericht "Mapping the risk of serious and organised crime infiltrating legitimate businesses" macht deutlich, wie wenig tatsächlich über den Markt für die illegale Entsorgung bekannt ist. Doch in einem scheinen sich die Wissenschaftler sicher zu sein: Neben Frankreich, Italien und Großbritannien ist Deutschland einer der Hauptmärkte für die illegale Entsorgung.

Doch das Bild vom illegal operierenden Entsorgungskonzern mit strenger Hierarchie und einem Paten an der Spitze ist falsch: Vielmehr handelt es sich bei der Müllmafia um kleine, wenig strukturierte Banden, die lose zusammenhängen. Die Struktur ähnelt eher einem Netzwerk als einem Konzern. Die mafiaähnlichen "Organised Crime Groups" sind dem Bericht zufolge typischerweise in der illegalen Verbringung von Abfällen beteiligt.

Illegale Verbringung von E-Schrott und Kunststoffabfällen

Bei der illegalen Verbringung gibt es zwei wesentliche Modi Operandi: Entweder die Abfälle werden illegal aus der EU heraus gebracht oder aber das Gefälle zwischen West- und Osteuropa wird zur illegalen Gewinnmaximierung ausgenutzt. Insbesondere E-Schrott wird eher aus der EU herausgeführt, meist deklariert als „Gebrauchtware“. Der illegal Handelnde profitiere gleich dreifach: Erstens, indem er im Voraus Geld von einem Abfallproduzenten für das Recycling erhält; zweitens, weil er brauchbare Komponenten aus dem Abfall verkauft und drittens, indem er unbrauchbare Komponenten illegal als Gebrauchtware in Nicht-EU-Länder verkauft.

Bei anderen Stoffströmen – insbesondere bei Kunststoffabfällen – haben sich die Zielorte mit dem chinesischen Importstopp verschoben: Den Studienautoren zufolge werden Kunststoffabfälle nun auch verstärkt nach Osteuropa in vorgebliche Recyclinganlagen verbracht – Anlagen die nie existiert haben. Stattdessen laden die Banden den Müll auf verlassenen Grundstücken oder in leere Häuser ab, die sie zuvor gekauft haben, und brennen ihn irgendwann in Nacht-und-Nebel-Aktionen ab. Gefälschte Dokumente und Berichte verschleiern anschließend die illegale Verbringung.

Einen ausführlichen Artikel inklusive der geschätzten Umsätze der Müllmafia in den einzelnen EU-Staaten lesen Sie in Ausgabe 14/2021 von EUWID Recycling und Entsorgung. Für Kunden unseres Premium-Angebots steht die Ausgabe bereits als E-Paper zur Verfügung:

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