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Drei Millionen Tonnen E-Schrott jedes Jahr in Europa fürs Recycling verloren


In der Schrottsammlung, im Hausmüll sowie über Exporte
gehen in Europa jedes Jahr enorme Mengen an Altgeräten
für das Recycling verloren.
25.11.2020 − 

Die Mehrzahl der EU-Staaten verfehlt die Ziele zur Sammlung von Altgeräten. Eine aktuelle Studie des Ausbildungs- und Forschungsinstituts der Vereinten Nationen (UNITAR) sowie der United Nations University (UNU) zeigt nun auf, in welchen Kanälen große Mengen an E-Schrott verschwinden. Demzufolge werden in der EU sowie der Schweiz, Norwegen und Island jedes Jahr pro Einwohner etwa sechs bis sieben Kilogramm Altgeräte in der Schrottsammlung oder dem Restmüll entsorgt oder illegal bzw. als Gebrauchtgerät deklariert exportiert. Hochgerechnet auf die Gesamtbevölkerung der betrachteten Länder entspricht das einer Menge von mehr als drei Mio Tonnen E-Schrott, welche den offiziellen Sammelkanälen und zum großen Teil auch der ordnungsgemäßen Verwertung jedes Jahr verloren geht.

Die europäische Altgeräterichtlinie schreibt seit letztem Jahr eine Mindestsammelquote von 65 Prozent der in den jeweils drei Vorjahren verkauften Menge an Neugeräten vor. Laut letzten verfügbaren Zahlen der EU-Statistikbehörde Eurostat für die Jahre 2017 und 2018 wurde diese Marke bisher lediglich von Kroatien und Bulgarien erreicht. Auch in der Schweiz wurden dem UN-Bericht zufolge im letzten Jahr mehr als 65 Prozent der im Schnitt der Vorjahre verkauften Menge an Neugeräten gesammelt.

Insgesamt müssen somit europaweit weiterhin große Anstrengungen bei der E-Schrottsammlung unternommen werden. Um das Sammelziel von 65 Prozent zu erreichen, müssten je Einwohner in Europa im Schnitt fast vier Kilogramm E-Schrott mehr in den offiziellen Erfassungskanälen landen, zeigen die Experten der UN auf.

Während die Differenz in Osteuropa lediglich bei zweieinhalb Kilogramm pro Kopf und in Südeuropa bei etwas über drei Kilogramm je Einwohner liegt, muss die Sammelmenge in Westeuropa – hierzu zählt der Bericht neben der Bundesrepublik, auch Frankreich, die Benelux-Staaten sowie Österreich und die Schweiz – um fast fünf Kilogramm pro Kopf steigen. Mit Ausnahme des bei der E-Schrottsammlung weit abgeschlagenen Inselstaates Malta ist Deutschland dem Bericht zufolge mit einer Lücke von rund sieben Kilogramm pro Einwohner am weitesten von den Zielvorgaben der EU entfernt.

Über eine Million Tonnen Altgeräte jährlich in der Schrottsammlung

Die größte Menge an Altgeräten geht europaweit in der Schrottsammlung verloren. Etwas mehr als zwei Kilogramm je Einwohner bzw. insgesamt rund 1,1 Mio Tonnen seien jedes Jahr im Metallschrott enthalten und würden nicht als Elektro- und Elektronikaltgeräte deklariert, heißt es in dem Bericht. Diese Mengen würden zwar recycelt. Die Behandlung finde aber möglicherweise an Standorten statt, die nicht den Anforderungen der WEEE-Richtlinie entsprechen und die Anforderungen der Abfallrahmenrichtlinie nicht erfüllen, geben die Experten zu bedenken.

Weitere fast anderthalb Kilogramm Altgeräte entsorgt jeder europäische Verbraucher im Schnitt pro Jahr im Restmüll. Durch die anschließende Verbrennung oder Deponierung gehen die in den Geräten enthaltenen Wertstoffe für das Recycling fast gänzlich verloren. Für Deutschland hatte eine Studie für das Umweltbundesamt, jüngst die im Hausmüll entsorgte E-Schrottmenge auf etwas über ein Kilogramm beziffert.

Neben der Schrottsammlung und der Entsorgung über den Restmüll gehen in Europa große Mengen an E-Schrott auch weiterhin über den Export verloren. Die offiziell dokumentierte Menge an Gebrauchtgeräten für den Export liegt dem Bericht zufolge jährlich bei einem halben Kilogramm pro Kopf. Die UN-Experten schätzen die tatsächlich exportierte Menge an Gebrauchtgeräten jedoch auf ein bis zwei Kilogramm je Einwohner. Hinzu kommen bis zu anderthalb Kilogramm an E-Schrott, die pro Kopf jedes Jahr illegal aus der EU ausgeführt werden – hochgerechnet auf Europa wären das fast 750.000 Tonnen im Jahr.

Den kompletten Bericht lesen Sie in EUWID Recycling und Entsorgung 49/2020. Für Kunden unserer Premium-Angebote steht die Ausgabe bereits als E-Paper zur Verfügung:

E-Paper - EUWID Recycling und Entsorgung

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