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CCS bei Müllverbrennungsanlagen: "Müssen jedes Werkzeug nutzen"

Jannicke Gerner Bjerkås, CCS-Direktorin von Fortum Oslo Varme
Jannicke Gerner Bjerkås,
CCS-Direktorin von Fortum Oslo Varme
28.06.2021 − 

In Oslo will der gemischtwirtschaftliche MVA-Betreiber Fortum Oslo Varme CO2 abscheiden und in der Lagerstätte Northern Lights speichern. Die Pläne sind ambitioniert: Die MVA Klemetsrud in Oslo wäre die erste Müllverbrennungsanlage der Welt mit negativen CO2-Emissionen. Vielleicht deswegen hat es das Projekt in die zweite Rundes des neuen EU-Innovationsfonds geschafft. In der vergangenen Woche haben die Norweger den Förderantrag in Brüssel eingereicht – Anlass genug für ein Interview mit Jannicke Gerner Bjerkås, der CCS-Direktorin von Fortum Oslo Varme.

EUWID: Die CO2-Abscheidung und -Speicherung ist in Deutschland umstritten. Ist die Technologie sicher? 

Bjerkås: Die CO2-Abscheidung gilt als sicher. Sie ist ein integraler Bestandteil mehrerer industrieller Prozesse und wird seit vielen Jahrzehnten kommerziell genutzt. In Norwegen scheidet die Firma Equinor seit über 20 Jahren CO2 aus seinen Offshore-Anlagen ab und speichert das Kohlendioxid, indem das flüssige CO2 in Gesteinsformationen unter der Tiefseeebene injiziert wird, ohne dass es Anlass zur Sorge gibt.

Beim Projekt von Fortum Oslo Varme in der Müllverbrennungsanlage Klemetsrud wird das CO2 durch einen chemischen Prozess aus dem Abgas der Müllverbrennungsanlage abgeschieden. Das CO2 wird dabei verflüssigt und zum Hafen in Oslo transportiert. Im Rahmen des Northern-Lights-Projekts wird es anschließend gesammelt und zu einem Terminal an der Westküste Norwegens transportiert. Von dort aus wird das CO2 in eine Gesteinsformation unter der Tiefseeebene injiziert und 2.600 Meter unter dem Meeresboden der Nordsee dauerhaft gespeichert.

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Könnte auch CO2 aus Europa in Northern Lights abgelagert werden, beispielsweise aus deutschen Müllverbrennungsanlagen oder Zementwerken?

Ja, beide Phasen werden Möglichkeiten schaffen, um CO2 aus europäischen Quellen aufzunehmen, zusätzlich zu den 800.000 Tonnen CO2 pro Jahr, die aus dem Longship-Transportprojekt stammen werden. Dies setzt voraus, dass die beiden ersten norwegischen CO2-Abscheidungsprojekte realisiert werden. Dazu gehören die Projekte von Fortum Oslo Varme und von HeidelbergCement.

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Wie wichtig ist CCS für das 1,5-Grad-Ziel?

Um die Ziele des Pariser Abkommens zu erreichen, müssen wir jedes Werkzeug im Werkzeugkasten nutzen. Das Speichern von CO2 wird definitiv eines davon sein. Jetzt besteht ein klarer Bedarf, sowohl Nutzungs- als auch Speicherprojekte in Europa zu initiieren und zu fördern, um die CCUS-Industrie zum Laufen zu bringen.

Was kostet CCS und wie wirkt es sich auf den Verbrennungspreis für gemischte Siedlungsabfälle aus?

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Das vollständige Interview lesen Sie in Ausgabe 26/2021 von EUWID Recycling und Entsorgung. Für Kunden unseres Premium-Angebots steht die Ausgabe bereits als E-Paper zur Verfügung:

E-Paper - EUWID Recycling und Entsorgung

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