|  
International» weitere Meldungen

CCS aus Schweizer MVA kostet rund 220 Franken pro Tonne


Müllverbrennung und CCS: Ein gangbarer Weg?
03.01.2020 − 

Die Abscheidung von Kohlendioxid (CO2) aus Müllverbrennungsanlagen in der Schweiz und die Speicherung in Norwegen sind sehr teuer. Wissenschaftler der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) in Zürich kommen in aktuellen Berechnungen für CO2-Abscheidung und -Verflüssigung sowie Transport und Speicherung im norwegischen CCS-Projekt "Northern Lights" auf Kosten von insgesamt 220 Schweizer Franken pro Tonne CO2 – etwa 200 € pro Tonne. Die Berechnungen haben die Wissenschaftler bei einer Tagung des Verbands der Betreiber Schweizerischer Abfallverwertungsanlagen (VBSA) vorgestellt.

Allein für die Abscheidung und Verflüssigung des Kohlendioxids setzt die ETH Zürich rund 130 € pro Tonne an. Da es kein transnationales CO2-Pipelinenetz in Europa gibt, muss das verflüssigte CO2 mit Hilfe herkömmlichen Transportmitteln wie Lkw, Zug oder Schiff nach Norwegen zur Speicherung verbracht werden. Etwa 90 € pro Tonne soll das nach Angaben der ETH Zürich kosten, so dass – zumindest in den Anfangsjahren – Gesamtkosten von 220 € pro Tonne entstehen.

Allerdings gehen die Wissenschaftler davon aus, dass die Kosten sich im Laufe der Zeit auf etwa 110 € pro Tonne halbieren könnten, sollte CCS in der EU eine entsprechend breite Anwendung finden. In diesem Fall rechnen die Wissenschaftler insbesondere bei der CO2-Abscheidung mit sinkenden Kosten, die auf rund 50 € pro Tonne fallen könnten. Auch die Transportkosten zum Rotterdamer Hafen könnten auf 20 € pro Tonne sinken und sich damit mehr als halbieren.

Kaum Anreize und geringe Einnahmen

Die mit der CO2-Abscheidung und -Speicherung zu erzielenden Einnahmen liegen deutlich unter den Kosten – selbst wenn man optimistisch ist und den durch Skaleneffekte deutlich niedrigeren Entsorgungspreis pro Tonne ansetzt. Die Anreize zur Abscheidung und Speicherung von CO2 sind in der Schweiz vergleichbar gering wie in Deutschland. Einen Malus für CO2-Emissionen aus der Müllverbrennung gibt es nicht, denn die thermische Abfallverwertung ist weder in den Emissionshandel einbezogen noch wird sonst eine CO2-bezogene Abgabe fällig.

Die Entsorgung des Treibhausgases in der Atmosphäre ist kostenlos, die Abscheidung und Speicherung kostet aber 200 €. Wirtschaftlich vernünftig ist CCS unter diesen regulatorischen Bedingungen kaum. Selbst wenn sich die CO2-Abscheidung und Speicherung über das europäische Emissionshandelssystem monetarisieren ließe, lägen die Einnahmen mit derzeit rund 30 € pro Tonne noch immer deutlich unter den Kosten des CCS-Verfahrens.

Diesem Artikel zugeordnete Schlagworte:

zurück − Remondis Nederland kauft Umweltbereich von Baetsen

Recylex will Weser Metall und weitere Töchter verkaufen  − vor