
Der französische Umweltkonzern Suez, der Technikanbieter Loop Industries und das südkoreanische Unternehmen SK Geo Centric (SKGC) hatten im Februar 2023 ein Großprojekt zum chemischen Recycling von PET-Abfällen im lothringischen Saint-Avold vorgestellt. Doch das Projekt wurde jetzt aufgegeben. Der französische Regionalsender France 3 Grand Est berichtete Anfang November, Suez habe auf die Kaufoption für das Gelände verzichtet, auf dem die Anlagen errichtet werden sollten. Das Projekt werde trotz zugesagter Fördermittel der öffentlichen Hand auf Eis gelegt.
Nach der ursprünglichen Planung sollte im ersten Quartal 2025 der Bau der Anlagen beginnen.
Suez und Loop Industries ließen eine EUWID-Anfrage unbeantwortet. Gegenüber France Info erklärte Suez, das Projekt werde von den drei beteiligten Unternehmen im gegenseitigen Einvernehmen nicht weiter vorangetrieben. Doch „die molekulare Aufbereitung bleibt eine Zukunftstechnik an die wir glauben und an der wir unsere Forschungs- und Entwicklungsarbeit fortsetzen“, versicherte das Unternehmen mit Blick auf das chemische Recyclingverfahren von Loop Industries, das zum Einsatz kommen sollte.
Das Investitionsvolumen für das Gesamtprojekt in Lothringen, das 200 Arbeitsplätze geschaffen hätte, wurde bei seiner Bekanntgabe auf 450 Mio € geschätzt. Suez begründete jetzt gegenüber der Saarbrücker Zeitung den Verzicht auf das Vorhaben mit „inflationär wachsenden Kosten“ sowie der makroökonomischen Situation. France 3 zitierte in seinem Bericht einen anonymen Branchenkenner, der auf Gestehungskosten von mehr als 2.000 € pro Tonne für das Recycling-PET hinwies, während Primär-PET aktuell bei etwa 900 € pro Tonne liege.
Vorbehandlungs- und Recyclinganlage
Das auf den Namen „Parkes“ getaufte Projekt sah den Bau von zwei Anlagen auf dem Gelände der ehemaligen Kokerei Carling im Industriepark Chemesis vor. Eine Vorbehandlungsanlage sollte jährlich 145.000 Tonnen Kunststoffabfälle aus unterschiedlichen Quellen reinigen, sortieren und für verschiedene molekulare und werkstoffliche Recyclingverfahren aufbereiten.
PET-Abfälle sollten anschließend in der zweiten Anlage mit dem "Infinite Loop"-Verfahren von Loop Industries depolymerisiert und die gewonnenen Monomere MEG und DMT aufgereinigt und anschließend wieder zu neuen PET polymerisiert werden. Diese Anlage sollte auf die Produktion von jährlich bis zu 70.000 Tonnen Recycling-PET ausgelegt werden. Das recycelte PET wäre den Angaben der Projektpartner zufolge gleichwertig mit Neuware und für den Einsatz mit Lebensmittelkontakt geeignet gewesen.



