
Die TH Köln arbeitet an einem Projekt zur Herstellung wiederverwendbarer, modularer Bauteile, die zu 100 Prozent aus recycelten mineralischen Reststoffen und Bauabfällen bestehen. Das teilte die TH Köln aktuell mit. Das Projekt „Modulares Bauen mit mineralischen Bauabfällen im ökoeffizienten Stoffkreislauf“ (ÖMoBau) ist eine Zusammenarbeit der Kölner Hochschule mit der Polycare Research Technology GmbH, einem Forschungsinstitut im Bereich der Kreislaufwirtschaft. Geleitet wird das Projekt von Prof. Axel Wellendorf vom Institut für allgemeinen Maschinenbau und Prof. Björn Siebert vom Institut für Baustoffe, Geotechnik, Verkehr und Wasser. Das Bundeswirtschaftsministerium fördert ÖMoBau bis Februar 2027 mit 430.000 €.
Siebert erklärt, dass die Recyclingquote von Bau- und Abbruchabfällen zwar bei bis zu 90 Prozent liege, das aufbereitete Material aber oft nur für Anwendungen auf niedrigerer Qualitätsstufe wie zum Beispiel im Tief- und Straßenbau eingesetzt werde. Insbesondere feiner Bauschutt unter zwei Millimeter Korngröße lande zudem noch immer zu einem großen Anteil auf Deponien und bleibe somit ungenutzt.
An diesem Punkt möchte das Projekt ansetzen und solche kleinkörnigen Füllstoffe zur Herstellung von verarbeitbaren Mörteln verwenden, so die TH Köln. Es sollen verschiedene Rezepturen aus Materialien wie Asche aus der Restmüllverbrennung, Schotter von Bahngleisen oder Bauschutt sowie umweltfreundlichen Bindemitteln entwickelt werden. Letztere sollen ebenfalls im Sinne der Kreislaufwirtschaft auf Basis von industriellen Nebenprodukten wie Asche oder Schlacke hergestellt werden. Wenn eine Mörtelmischung Probekörper hervorbringt, die eine gewisse Festigkeit nicht unterschreiten, sollen daraus Bauteile entstehen, die sowohl rückbaufähig als auch wiederverwendbar sind.
Die Zerkleinerung und Sortierung der deponierten Bau- und Abbruchabfälle erfolgt am Standort des :metabolon Instituts der TH Köln. Das Institut beschäftigt sich mit Fragen zur stofflichen und energetischen Verwertung von Neben-, Rest- und Abfallstoffen im Sinne der Kreislaufwirtschaft. Wellendorf beschreibt den Vorgang der Baustoffentwicklung: „In unserem Technikum bereiten wir die Materialien möglichst sortenrein auf und ermitteln die Korngrößenverteilung, die Rohdichte und den Wasseranspruch. Dann untersuchen wir die Materialzusammensetzungen für die mineralischen Füllstoffe und optimieren so lange, bis sie die gewünschten mechanischen und ästhetischen Eigenschaften erreichen.“ Einzelne Bauteile wie Wände, Decken oder Stürze werden dann zuerst auf Basis der entwickelten Baustoffe am Computer simuliert. Anschließend ist Polycare für die Anfertigung dieser Bauteile zuständig, teilte die Hochschule weiter mit.
Als Projektabschluss soll auf dem :metabolon Campus ein Musterhaus bestehend aus den entwickelten Baustoffen und -elementen entstehen. Robert Rösler, CTO von Polycare, betont den Fokus auf Nachhaltigkeit und Transparenz: „Unser Ziel ist es, Ressourceneffizienz nicht nur durch die Verwendung von Sekundärrohstoffen bei der Herstellung von Bauelementen zu erreichen, sondern auch die Lebensdauer der Produkte durch intelligentes Design und ein Bauprinzip ohne Verkleben zu verlängern. So können sie mehrfach wiederverwendet werden. Langfristig soll jedes unserer Produkte einen Materialpass mit Angaben zur Ökobilanz erhalten.“


