Projekt zur nachhaltigen Entsorgung von Krankenhausabfällen mit 400.000 € gefördert

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Das Umweltministerium Baden-Württemberg fördert die Transformation der Abfalllogistik im Gesundheitswesen mit 400.000 €. Das Projekt „SustainMed“ ist eine Kooperation zwischen der BioRegio Stern Management GmbH, der Novis GmbH, der Freesixtyfive GmbH und der Klinik für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie der BG Klinik Tübingen. Damit wird das Ziel, medizinische Einwegprodukte in die Kreislaufwirtschaft zu integrieren, nach der bereits erfolgten Förderung eines ähnlichen Forschungsprojekts durch das Bundeswirtschaftsministerium Anfang des Jahres weiter vorangetrieben.

Die BG Klinik Tübingen fungiert als Teststandort für die im Rahmen von SustainMed entwickelten Prozesse und digitalen Werkzeuge. Prof. Tina Histing, die Ärztliche Direktorin der Klinik, betonte die Dringlichkeit eines solchen Projekts: „In den vergangenen Jahren wurden international zahlreiche Erhebungen durchgeführt, um den Status Quo der Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen zu erfassen und zu quantifizieren. Die Zahl der beschriebenen Lösungsansätze zur Verbesserung der Situation ist aber aktuell noch sehr überschaubar.“

Das Projekt zielt darauf ab, zunächst die Anforderungen der Medizintechnikindustrie und der Krankenhäuser zu erheben, um Potenziale für mögliche nächste Schritte wie Prozessbeobachtungen, Teilnehmerbefragungen oder Sekundäranalysen im Krankenhaus zu identifizieren. Von Anfang an will man mit Pflegekräften, Ärzten, dem Management, dem Einkauf und den Herstellern gemeinsam Bewertungskonzepte für die Entwicklung und den Einsatz nachhaltiger Produkte erarbeiten. „Medizintechnikunternehmen und Kliniken müssen auf Augenhöhe zusammenarbeiten“, so die Projektleiterin Anja Reutter.

Im Mittelpunkt der Untersuchung stehen Aspekte der Nachhaltigkeit, des Recyclings und des Abfallmanagements, insbesondere die Intensivierung der Nutzung von Produkten durch die Wiederverwendung gebrauchter Güter – sei es vollständig oder in Teilen – durch Remanufacturing, Instandhaltung, Reparatur, Modernisierung oder kaskadische Nutzung, ergänzte Thomas Helle, Geschäftsführer der Novis GmbH.

Darüber hinaus wird eine Online-Plattform entwickelt, die den Nachhaltigkeitsprozess abbildet und Angebote bündelt. „Durch die Entwicklung eines datenbankbasierten Nachhaltigkeitsinstruments werden Reduktion und Recycling gefördert, die Abläufe in der Klinik vereinfacht und natürlich auch das Pflegepersonal entlastet“, kommentierte Christian Becker, Geschäftsführer der Freesixtyfive GmbH, das Vorhaben.

Innovative Recyclingtechnik in Schweden

Auch in Schweden wird an innovativen Methoden zum Recycling medizinischer Abfälle gearbeitet. Die Chalmers University of Technology stellte ihre Methode zur Plastikrückgewinnung aus Krankenhausabfällen vor. Beim thermochemischen Recycling wird Kunststoffabfall in einem Prozess namens „Steam Cracking“ mit bis zu 800 °C heißem Sand vermischt. Dabei werden die Kunststoffbestandteile auf molekularer Ebene in ihre Einzelteile zerlegt und sublimieren zu einem Gas, das die Ausgangsstoffe für die Rückgewinnung von Kunststoffen enthält.

„Dieses Verfahren kann man sich wie einen thermischen Vorschlaghammer vorstellen, der die Moleküle zerschlägt und gleichzeitig Bakterien und andere Mikroorganismen zerstört“, erläutert Martin Seemann, assoziierter Professor Am Lehrstuhl für Energietechnik der Chalmers Universität. Er fügt hinzu: „Das, was übrigbleibt, sind verschiedene Arten von Kohlenstoff- und Kohlenwasserstoffverbindungen. Diese können dann abgetrennt und in der petrochemischen Industrie verwendet werden, um fossile Materialien zu ersetzen, die derzeit in der Produktion eingesetzt werden.“

Das Verfahren wurde in verschiedenen Projekten getestet, unter anderem mit unterschiedlichen medizinischen Produkten wie Masken und Handschuhen. Die Ergebnisse waren durchweg positiv, auch bei Tests mit einer Mischung verschiedener Stoffe, die die durchschnittliche Zusammensetzung des Abfalls regionaler Krankenhäuser repräsentierten. Judith Gonzáles-Arias, Projektleiterin eines dieser Tests, sieht großes Potenzial in der Technologie: „Das thermochemische Recycling löst nicht nur das Problem, dass medizinische Abfälle heute nicht recycelt werden, sondern ermöglicht auch die Rückgewinnung wertvoller Kohlenstoffatome.“

Neben der technologischen Entwicklung ist jedoch auch politisches Handeln erforderlich, um Methoden wie das thermochemische Recycling zu skalieren. „Bestimmte politische Entscheidungen könnten den Wert von Kunststoffabfällen als Rohstoff für die Industrie steigern“, merkt Martin Seemann an. „Eine Verpflichtung zur CO2-Abscheidung bei der Verbrennung von Kunststoffen würde beispielsweise Anreize schaffen, in energieeffizientere alternative Technologien zu investieren.“

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