Neue Demonstrationsanlage in Mannheim produziert Schiffstreibstoff aus Abwasser

Eine neue Demonstrationsanlage im Mannheimer Klärwerk soll Biogas aus Abwasser in klimaneutrales Methanol umwandeln, das als Schiffstreibstoff eingesetzt wird. Ein Konsortium aus dem Institut für Mikroverfahrenstechnik und dem Institut für Automation und Angewandte Informatik des Karlsruher Institut für Technologie (KIT), dem am KIT gegründeten Start-up Icodos sowie dem Eigenbetrieb Stadtentwässerung Mannheim hat die Anlage im Mannheimer Klärwerk errichtet und Ende März eröffnet, teilte das KIT mit.

Die Demonstrationsanlage „Mannheim 001“ nutze ein patentiertes Verfahren, um Biogas aus Abwasser in klimaneutrales Methanol umzuwandeln. Das im Klärwerk entstehende Biogas werde zunächst gereinigt. Anschließend reagiert das darin enthaltene CO2 mit regenerativ erzeugtem Wasserstoff zu Methanol – einem vielseitig einsetzbaren Rohstoff, der als Schiffstreibstoff oder in der chemischen Industrie eingesetzt werden kann, so das KIT. „Mit unserer Technologie gewinnen wir aus einer vorhandenen Quelle einen hochwertigen Energieträger“, erklärte Vidal Vazquez, Mitgründer von Icodos. „Allein in Deutschland könnten Kläranlagen jährlich mehrere Millionen Tonnen nachhaltiges Methanol produzieren.“

Durch die kompakte und skalierbare Bauweise eigne sich das Verfahren besonders für die dezentrale Umsetzung. Das aktuelle Projekt zeige, dass Kläranlagen als Herzstück einer nachhaltigen Kraftstoffproduktion dienen könnten – ein Potenzial, das bislang ungenutzt geblieben sei, so Vazquez. Icodos sei schon mit weiteren Kläranlagen im Austausch, um auch dort Produktionsanlagen zu errichten. Mit rund 80.000 Klärwerken in Europa gebe es viel Potenzial für ein neuartiges, klimaneutrales Verfahren, um die Allzweckchemikalie Methanol zu produzieren.

„Die Anlage erzeugt etwa 50 Liter Methanol am Tag“, sagte Roland Dittmeyer vom KIT. „Wir bauen im Moment eine größere, die 15 Mal mehr Methanol erzeugen kann.“ Die Anlage nahe Paris soll demnach Ende 2026 in Betrieb gehen. Die Kosten für das Projekt in Mannheim wurden unter anderem durch Fördermittel des Bundesministeriums für Bildung und Forschung gedeckt. Allein der Wert der Anlage liege bei rund zwei Mio €, sagte Dittmeyer. (Eigener Bericht/dpa)

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